Erfolgreich in Social Media - Expertentipps von Johannes Lenz

17
FEB
2015
Johannes Lenz
© Johannes Lenz

In unserer Interviewreihe steht uns heute Johannes Lenz Rede und Antwort. Er ist Corporate Blogger bei AKOM360 und beschäftigt sich tagtäglich damit, wie erfolgreiche Social-Media-Kommunikation funktioniert. Lest selbst, welche Tipps er speziell für NGOs parat hat.

Kleinere Organisationen und Initiativen, die sich ehrenamtlich engagieren, haben häufig sehr viel weniger Ressourcen und auch finanzielle Mittel, um sich in sozialen Medien zu engagieren, als große Unternehmen. Was ist deine Empfehlung, wie ein erfolgreiches Social Media-Engagement trotzdem gelingen kann?

Was ist die Strategie meiner Marke, was sind Mehrwerte oder Ideale meiner Organisation? Was sind meine Ziele? Wo ist meine Zielgruppe?

Auf diese Fragen müssen Antworten gefunden werde. Für die Antworten wird vor allem auch eine Abfrage des „Status Quo“ relevant sein. Dabei geht es darum, wer was über die Marke bzw. Organisation sowie zu Schlüsselthemen in den Social Media sagt und wie es um die Tonalität (positiv, negativ, neutral) der Gespräche gestellt ist.

Erst dann kann „losgelegt“ werden. Weitere Stichworte sind Bewusstsein für Media Spending (speziell auf Facebook sollte man in das Marketing investieren) sowie Mobile. Es ist ja kein Geheimnis, das beispielsweise auf Facebook die mobile Nutzung steigt und steigt.

Schließlich müssen für das künftige Social Media-Engagement finanzielle und personelle Ressourcen berücksichtigt werden.

Was sind deiner Meinung nach die häufigsten Fehler von NGOs im Umgang mit sozialen Medien?

Wie oben schon angesprochen haben NGOs mit Sicherheit das Grundproblem, das sie mit ganz klaren Zwängen kämpfen, nämlich geringem Personal und geringer finanzieller Ausstattung.

Das schlägt sich beispielsweise im Community Management wieder, welches zu einem Social Media Auftritt einfach dazugehört. Und das geht in der Regel über das reine Beantworten von Fragen auf den eigenen Social Media Kanälen hinaus.

Denn oftmals stecken da viele redaktionelle Tätigkeiten wie das Bewerben geeigneter Postings, das textliche und grafische Realisieren von gutem Content, Kampagnen usw. Das ist nur ein Ausschnitt dessen, was Community Manager heute können müssen.

Wenn das Community Management leidet, leidet auch die Reputation der Marke!

Gibt es besonders gelungene Beispiele von gemeinnützigen Organisationen, die dir direkt in den Sinn kommen? Oder auch eine richtig gute Kampagnen, die dich beeindruckt hat?

Auf Anhieb fallen mir 2aid.org, WWF Deutschland oder Greenpeace ein.

Mit 2aid.org (Fokusthema ist Wasser) haben wir bei AKOM360 inzwischen schon 2 Projekte durchgeführt (siehe akom 360 spendet über 1000 Menschen zu Weihnachten Wasser und akom 360 spendet 1000 Menschen zu Weihnachten Licht

Unsere Hilfe in Uganda

Quelle: www.2aid.org/

Der WWF Deutschland hatte vor einiger Zeit anlässlich seines 50sten Geburtstags eine Kampagne mit Panda-Skulpturen, die auf Deutschland-Tour gegangen sind und welche man in diversen deutschen Innenstädten bestaunen konnte. Die Aktion wurde nicht nur offline, sondern auch online in den Social Media begleitet.

50 Jahre WWF Deutschland

Quelle: wwf.de/50-jahre-wwf-deutschland

Greenpeace ist die „Mutter“ aller NGOs in Deutschland in Sachen effektiver und kreativer Einsatz von Social Media für Kampagnenzwecke. Man denke nur an die Aktionen und Kampagnen contra Shell oder KitKat bzw. Nestle.

Wie Greenpeace soziale Medien nutzt

Quelle: ngoleitfaden.org

Was ist deiner Erfahrung heraus besonders wichtig, wenn man soziale Medien für sich nutzen will? Worüber sollte man sich unbedingt Gedanken machen?

Zuallererst sollten die Ziele identifiziert und festgelegt werden, die man erreichen möchte. Und um diese zu erreichen, bedarf es einer Strategie, die es zu erarbeiten gilt.

Die Kommunikation im Social Web ist schnell. Twitter steht exemplarisch für sogenannte Realtime-Conversation (Echtzeit-Unterhaltungen). Deshalb sollte man in der Lage sein, der Situation entsprechend angemessen reagieren zu können, vor allem auch in sich anbahnenden Kommunikationskrisen oder gar Entrüstungswellen.

Darüber hinaus sollte man darauf achten, dass man die Lebenswirklichkeit seiner Fans oder Kunden kennt. Was wollen sie? Welche Inhalte interessieren sie am meisten, welche Produkte stehen bei ihnen hoch im Kurs?

Das Wissen, welche Anforderungen an die eigene Marke gestellt und artikuliert werden, ist nicht nur das A und O im Social Web, sondern auch offline.

Gibt es bestimmte Tools oder Werkzeuge, die aus deiner Erfahrung heraus hilfreich sein können im Management sozialer Medien? Was sind deine Geheimtipps?

Grundsätzlich sollte man, bevor man sich für ein Tool entscheidet, wissen, was man will, was man kann (Zeit, Budget, Ressourcen, usw.) und wobei es einem behilflich sein soll. Es gibt eine Menge Toools da draußen, die sowohl kostenlos als auch kostenpflichtig sind.

Ich habe positive Erfahrungen mit Hootsuite (Social Media Dashboard für verschiedene SoMe-Kanäle, kostenlose Version), Buffer (Planen von Postings auf verschiedenen Kanälen) oder IFFT (Automatisierung von Postings auf diversen Kanälen), mit dem man automatisches Posten arrangieren kann.

Wichtig ist in jedem Fall: Wer kommuniziert, sollte auch auf Feedback gefasst sein! Das heißt: Zuhören (Monitoring), Agieren/Reagieren und nichts für selbstverständlich nehmen, das scheinen mir ebenfalls geeignete Tipps, um im Social Web für sich und seine NGO nach und nach eine Reputation aufzubauen.

Was sind für Sie die größten Vorteile bei der Social Media-Nutzung im Vergleich zu den klassischen Werkzeugen der Kommunikation?

An erster Stelle sind hier die Geschwindigkeit und die Reichweite zu nennen, mit der wir im Social Web kommunizieren. Das bedeutet, dass wir unmittelbar Feedback erhalten auf unser Tun, das sowohl positiver als auch negativer Natur sein kann.

Das heißt letztlich auch, dass wir uns als Marke oder NGO diesem direkten Dialog nicht verschließen dürfen bzw. können, auch wenn es manchmal schwierig wird.

Besser dabei sein als nicht dabei sein, denn nur so kann man die Gespräche über die eigene Organisation und ihre Produkte, Leistungen oder Services entsprechend beeinflussen. Und man bekommt relativ schnell ein Gefühl, was die Menschen wirklich umtreibt.

Was sind Inhalte, die gut im Netz funktionieren? Worauf sollte man besser verzichten?

Grundsätzlich verzichten sollte man auf brachiale (Eigen-) Werbung! Hingegen sind persönliche Geschichten, (Bewegt-)Bilder oder Videos durchaus geeignet, Botschaften zu transportieren.

Wer heute in seinen Newsfeed auf Facebook, Google+, Twitter & Co. schaut, wird feststellen, das dieser zumeist aus Postings mit Bildern oder Videos besteht.

Letztlich funktionieren die Inhalte am besten, die die Zielgruppe interessieren und für sie Relevanz und Mehrwert besitzen sowie Emotionen transportieren.

Facebook, Twitter, YouTube & Co. verändern sich sehr schnell. Wie hälst du dich auf dem Laufenden und welche Informationsquellen kannst du NGOs dringend empfehlen?

Ich kann jedem nur einen RSS Reader (z.B. feedly.com) empfehlen, in welchem man Webseiten und Blogs abonnieren kann und immer die neuesten Artikel direkt auf dem Dashboard hat. Somit muß man die Lieblingsseiten nicht mehr manuell ansurfen.

In diesem Zusammenhang sollte man den guten alten Newsletter nicht vergessen. Auch in digitalen Zeiten hat er seine Berechtigung, wie ich neulich unter blog.arkom360.de/-newsletter-die-digital-experten-kennen-sollten festgestellt habe.

Zudem gibt es divers Fachblogs, die man einfach auf dem Radar haben muss. Dazu gehören etwa in puncto Facebook & Social Media Marketing allfacebook.de, futurebiz.de, thomashutter.com oder schwindt-pr.com/blog.

Nicht zuletzt sollte man auf Facebook verschiedene Pages abonniert haben, die über neueste Projekte rundum Facebook informieren. Eine gute Übersicht dafür liefert diese Directory: http://newsroom.fb.com/pages-directory/ Schließlich kann auch ein Blick auf die Facebook Awards unter www.facebook-studio.com/awards/ nicht schaden, weil hier jährlich die besten kreativen Arbeiten auf Facebook ausgezeichnet werden.

Danke Johannes, für das informative Gespräch.

Johannes Lenz, 1977 in Marburg an der Lahn geborener „Webzopf“ und frischer Papa, ist seit Juli 2012 als Corporate Blogger bei AKOM360 am Standort München verantwortlich für die strategische Social Web Kommunikation der Multi Channel Marketing Agentur.

Er hält Vorträge, Workshops und kann auf Veröffentlichungen in Blogs und Magazinen, u.a. bei allfacebook.de, w&v, lead-digital.de, huffingtonpost.de oder dem BVDW verweisen. Zuvor war er 2 Jahre als Digital Consultant Corporate Communications bei Grey Worldwide GmbH in Düsseldorf und verantwortlich für den Auf- und Ausbau der strategischen Social Web Kommunikation der Netzwerkagentur.

Johannes Lenz erreicht man im Social Web beruflich via http://blog.akom360.de sowie privat über http://johanneslenz.de oder auf Twitter unter @johanneslenz