GreenAction - Geschützter Raum für AktivistInnen

19
JAN
2015
Volker Gassner

Klicktivismus, Datenschutz und juristische Drohungen großer Konzerne: Volker Gaßner erzählt aus dem Leben des Umweltaktivisten-Netzwerks GreenAction, im Interview mit Dennis Buchmann.

„Vereinsmeierei war gestern - heute engagieren sich Menschen flexibel.“(Volker Gaßner)

Volker, GreenAction macht Umwelt-aktivismus möglich. Was genau ist damit gemeint?

Unsere Philosophie ist es, einen digitalen Raum für Umweltschutzkampagnen und -aktionen zu schaffen. Besonders kleine Initiativen und einzelne Bürger haben kaum Know-how, Zeit und Geld, um online eigene Kampagnen zu starten. Da möchten wir als Mobilisierungs-Tool helfen. In nur fünf Schritten kann jeder seine Kampagne auf GreenAction online stellen.

Greenpeace tritt dabei als Marke bescheiden in den Hintergrund. Warum?

Weil wir noch mehr Menschen erreichen wollen. Engagierten Menschen geht es weniger um eine bestimmte Organisa-tion - Vereinsmeierei war gestern. Heute interessieren sich die Leute für ein bestimmtes Thema, sie sind flexibler in ihrem Engagement. Wir als Greenpeace sind aber trotzdem präsent, sei es, wenn wir einzelne Kampagnen hervorheben oder als Schutzwall für die AktivistInnen.

Wovor muss Greenpeace seine Community beschützen?

Vor allem vor juristischen Drohungen durch Konzerne. Wer zum Beispiel gegen die Umweltzerstörung eines Ölmultis mobilmacht, hat gegen dessen Rechtsabteilung kaum eine Chance. Wir prüfen deshalb die Fakten auf GreenAction und geben auch die Daten der AktivistInnen nicht heraus. Datenschutz ist unseren Nutzern verständlicherweise sehr wichtig.

Über 3.000 Kampagnen wurden seit 2009 auf GreenAction gestartet. Wie steht es um Klicktivismus bei euch? Gibt es viele inaktive Kampagnen, die nie zu etwas geführt haben?

Ja, da haben wir auch ein gewisses Konstruktionsproblem. Viele Menschen denken nicht in Kampagnen, wie wir sie verstehen, sondern stellen manchmal nur einen Termin ein. So sind ein Viertel bis ein Drittel unserer Kampagnen, also ca. 750 Stück, tatsächlich aktiv. Wir haben viele Stufen des Engagements bei uns, vom unterstützenden Klick bis zur eigenen Kampagne.

Wie hoch ist der Aufwand für das Community-Management bei so vielen Kampagnen und Webseiten-Besuchen?

2011 und 2012 war bei uns am meisten los, da haben wir zwei bis drei Personen-tage pro Woche investiert. Heute geht es etwas ruhiger zu, da kostet es uns nur einen Tag.

Volker Gaßner leitet seit 2008 das Team Presse, Recherche und Neue Medien von Greenpeace e.V. in Hamburg. Zuvor war er acht Jahre als Projektleiter und Campaigner u. a. für die Umsetzung von Kampagnen bei Greenpeace zuständig. Er veröffentlichte Fachartikel in Büchern und Magazinen zu den Themen Krisenkommunikation, Social Media, Corporate Social Responsibility (CSR) und Kampagnen. Er ist Gründungsmitglied der campaigning-academy.com in Berlin.