Beim Helfen helfen - mit Facebook 1.500 Helfer koordinieren

12
JAN
2015
Portrait: Karoline Oberländer

Wie man 1.500 freiwillige Helfer koordiniert und warum Facebook für eine volle Bude sorgt - Karoline Oberländer im Interview mit Dennis Buchmann.

„Als wir auf Facebook um ein paar Pflaster gebeten haben, hatten wir kurz danach drei Umzugskartons davon bei uns im Büro stehen.“ (Karoline Oberländer)

Karoline, wie kommt’s, dass ausgerechnet eure Studenteninitiative zur offiziellen Anlaufstelle für die Fragen der von der Flut betroffenen Bürger wurde?

Wir schrieben zunächst nur einen Post auf dem Campusblog, in dem wir unsere Kommilitonen dazu aufriefen, sich in Helferlisten einzutragen. Die Hilfsbereitschaft war riesig: 700 Leute trugen sich ein, unzählige standen vor unserem Büro und wollten helfen. Von einem Tag auf den anderen waren 1.500 Menschen in den Straßen und packten mit an. Kurz darauf haben wir uns schon mit der Stadt getroffen, die uns dann zur offiziellen Anlaufstelle erklärt hat.

Ihr wart nur vier Leute bei „Passau räumt auf“. Wie habt ihr es geschafft, all die Helfer zu koordinieren?

Wir haben uns kurzfristig ein System ausgedacht. Zahlreiche Scouts notierten in den Straßen, was wo gebraucht wird, und berichteten an sieben Koordinatoren, die wiederum mit unseren beiden Zentralen in Verbindung waren. Dort haben wir dann Tabellen mit den Bedarfen gefüllt.

Welche Rolle spielte Facebook dabei?

An Facebook hatten wir zunächst gar nicht gedacht. Doch als wir merkten, dass dort immer mehr Seiten aufkamen, die falsche Infos oder Panik verbreiteten, haben auch wir eine Facebook-Seite eingerichtet. Dort haben wir die Leute eher allgemein zur Lage informiert, Sicherheitsbekanntmachungen veröffentlicht und Spenden gesammelt. Posts wie „Wir brauchen 20 Leute mit Schaufeln in der Milchgasse“ sind schwierig, weil unberechenbar. Nicht dass die Milchgasse plötzlich verstopft ist von Leuten mit Schaufeln, die alle helfen wollen. Als wir auf Facebook um ein paar Pflaster gebeten haben, hatten wir kurz danach drei Umzugskartons davon bei uns im Büro stehen.

Die Flut ist vorbei, aber ihr habt immer noch 16.000 Fans auf Facebook. Funktioniert die Seite auch ohne Flut noch?

Ja, wir posten zwar nicht mehr so häufig, aber informieren etwa über das einjährige Jubiläum der Flut und nutzen unsere Reichweite, um Unterstützer für andere Fluten wie zum Beispiel die im Juni 2014 in Bosnien zu gewinnen. Außerdem interessieren sich die Feuerwehr, das Technische Hilfswerk und die Stadt sehr dafür, wie die Online-Mobilisierung der Bürger im Katastrophenfall funktioniert. Und man weiß ja auch nicht, wann die nächste Flut kommt …

Nach dem Abitur und einem Auslandsjahr in Italien hat Karoline Oberländer, 24, ihren Bachelor in European Studies an der Universität Passau absolviert. Währenddessen vertrat sie drei Jahre als Fachschaftsprecherin die Studierenden der Philosophischen Fakultät. Seit Sommer 2014 studiert sie im Master-Studiengang Emergency and Disaster Management an der Universität in Tel Aviv.