Social Media mit Stacheln

06
JAN
2015
Martin Habacher

Martin Habacher über seine One-Man-Show, verknüpfte Kanäle und ein ungewöhnliches Angebot an den Finanzminister von Österreich im Interview mit Dennis Buchmann.

“Social Media sind DER Kommunikationsweg, um sich im großen globalen Rauschen Gehör zu verschaffen.“ (Martin Habacher)

Martin, hast du eine spezielle Ausbildung gemacht oder wie bist du ein Social-Media-Profi geworden?

Ein bisschen hab ich das unserem damaligen Finanzminister zu verdanken. Der hat 2009 einen Praktikanten gesucht, und mit einem Video sollte man sich für die Stelle bewerben. Stattdessen hab ich dem Minister in meinem Video angeboten, eine Woche im Rolli zu leben und zu arbeiten. Ich würde ihn auch dabei begleiten. Zwar hat er abgelehnt, aber in den sozialen Medien kam die Idee sehr gut an, das Video wurde geteilt und getweetet und die Leute haben über das Thema Barrierefreiheit und Inklusion diskutiert. Da hab ich gemerkt, wie gut soziale Medien funktionieren können, um Aufmerksamkeit für ein Thema zu erzeugen.

Aber ein Video allein macht noch keinen Profi, oder?

Nein, aber dann bin ich’s professioneller angegangen, hab Agenturen nach Tipps und Tricks gefragt und mir das Ganze autodidaktisch beigebracht.

Inklusion und Barrierefreiheit sind deine Themen. Warum nutzt du vor allem soziale Medien als deine Bühne?

Ist doch klar, ohne soziale Medien geht heute nichts mehr. Dort kann ich mir Gehör im globalen Rauschen verschaffen und das Beste dabei: Ich brauch kein großes Redaktionsteam und viel Geld, sondern schaff das locker ganz allein als One-Man-Show.

Du bespielst mit Facebook, Twitter, Google +, Tumblr usw. acht Social-Media-Kanäle. Das schaffst du locker ganz allein?

Nun ja, die Kanäle sind miteinander verknüpft, sodass einmal produzierte Inhalte automatisch auch in den anderen Kanälen zu sehen sind. Das ist gut für die Google-Suche und nötig, wenn man Buzz erzeugen will.

Hast du noch weitere Tipps für Leute, die soziale Medien für ihr Engagement nutzen wollen?

Zunächst sollte man sich fragen: Welche Ressourcen habe ich? Welche Botschaft für wen? Welche Medien sollen’s sein, Text oder Videos oder beides? Erst dann kann man sich für das richtige soziale Medium entscheiden. Und dabei bedenken: Dort geht es um ehrliche und direkte Kommunikation und nicht um Werbung und Verkäufe.

Martin Habacher studierte Publizistik und Kommunikationswissenschaften und absolvierte eine Ausbildung an der Handelsakademie. Er arbeitete erst als Buchhalter und schrieb dann bei einer Wiener Werbeagentur unter anderem Radiospots. Heute ist Habacher selbstständiger Social-Media-Berater und Barrierefreiheitstester.