Die Jury des Smart Hero Award 2016

04
JUL
2016

Portrait:Joana Breidenbach
Joana Breidenbach

Joana Breidenbach Joana Breidenbach ist promovierte Kulturanthropologin und Autorin zahlreicher Bücher zu den kulturellen Folgen der Globalisierung. Etwa: Tanz der Kulturen (Rowohlt 2000), Maxikulti (Campus 2008) und Seeing Culture Everywhere (Washington Press 2009). Joana Breidenbach ist Mitgründerin von betterplace.org und Gründerin des betterplace lab.

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Wo sehen Sie das große Potenzial der sozialen Medien für unsere Gesellschaft?

Soziale Initiativen und Engagierte können soziale Medien auf sehr vielfältige Weise für ihre Belange einsetzen. Das fängt mit der Kommunikation untereinander an: man kann sich als Unterstützer-Netzwerk besser koordinieren und effektiver auf die Themen, für die man brennt, aufmerksam machen. Sie ermöglichen eine neue Art der Transparenz und Teilhabe. Natürlich können sie auch für Online Fundraising eingesetzt werden - hier ist der Kreativität keine Grenze gesetzt, wie wir an Aktionen wie dem Movember oder der Ice Bucket Challenge, aber auch dem Erfolg von Black Lives Matter, sehen konnten. Und sie können auch der Kommunikation zwischen NGOs und Begünstigten dienen.

Welche Herausforderungen sehen Sie im Alltag der geflüchteten Menschen und mit welcher Unterstützung kann jeder einzelne als gute Nachbarin und als guter Nachbar einen Beitrag leisten?

Wir haben im betterplace lab in den letzten Monaten viel über die Nutzung digitaler Medien von und für Flüchtlinge geforscht. Dabei sind wir auch auf eine in Deutschland in diesem Bereich noch nie zuvor gesehene Innovationsfreude gestoßen. Das freut uns sehr. Es gibt so viele gute Initiativen, die soziale Medien für die Koordination der Helfer untereinander einsetzen. Andere ermöglichen den direkten Austausch zwischen Geflüchteten und deutschen Bürgern. Ich bin Mitglied mehrerer Facebook-Gruppen, wo unbürokratisch und direkt Geflüchtete dabei unterstützt werden Wohnraum oder Arbeit zu finden. Dadurch sind viele Deutsche ermutigt worden, sich selbst zu engagieren. Aber auch die Geflüchteten untereinander geben sich viele Hilfestellungen und Orientierung in dem ja sehr komplexen deutschen Asylbewerbungsprozess. Eine Seite wie Syrisches Haus verbreitet Informationen an fast 30.000 Menschen. Für die Integration von Geflüchteten ist es wichtig, dass sie nicht nur Ausbildung, Arbeit und Wohnraum bekommen - da bin ich sicher, dass unser Staat das leisten kann - sondern, dass sie Kontakte und Freundschaften mit Deutschen schließen. Ohne dem geht Integration nicht. Und diese Kontakte lassen sich über soziale Medien viel einfacher knüpfen.

Welche Bedeutung hat für Sie der Smart Hero Award?

Es gibt in Deutschland noch viel zu wenig Anerkennung für digitales, zivilgesellschaftliches Engagement. Dabei sind Online-Medien für uns als organisierte Zivilgesellschaft eines der wichtigsten Werkzeuge. Und sie werden immer wichtiger werden. Ich spreche mit vielen Menschen über Digitalisierung: in Vereinen, Ministerien, Unternehmen. Viel zu oft erlebe ich eine grundsätzlich negative Haltung gegenüber sozialen Medien. Da ist nur von Filterblase und Hasskommentaren die Rede. Ich versuche dann immer die vielen - in meiner Wahrnehmung überwiegend - positiven, pro-sozialen und konstruktiven Anwendungen aufzuzeichnen. Der Award schafft in dieser Schräglage wenigstens eine kleine Korrektur


Portrait: Saskia Esken
Saskia Esken


Saskia Esken, Mitglied des Deutschen Bundestags, SPD-Bundestagsfraktion ist gebürtige Baden-Württembergerin und seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestags (für den Wahlkreis Calw/Freudenstadt). Dort ist sie stellvertretende digitalpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion und als Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung sowie im Ausschuss Digitale Agenda tätig. Seit 1990 ist sie Mitglied der SPD, führt seit Jahren ihren Kreisverband und ist kommunalpolitisch im Kreistag engagiert.

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Wo sehen Sie das große Potenzial der sozialen Medien für unsere Gesellschaft?

Social Media haben das Internet noch einmal revolutioniert, weil sie es Menschen, Institutionen und Unternehmen ohne große Hürden ermöglichen, sich zu vernetzen, miteinander in den Dialog zu treten und sich auszutauschen. Ich komme als Abgeordnete mit ganz unterschiedlichen Menschen zu ganz unterschiedlichen Themen via Twitter oder Facebook ins Gespräch, erhalte Impulse für meine Arbeit, vernetze mich und trete in den Austausch.

Welche Chancen bieten soziale Medien für das ehrenamtliche Engagement und NGOs?

Auch für ehrenamtliche Strukturen und Vereine bieten soziale Medien interessante Möglichkeiten, sich und ihre Arbeit zu präsentieren und mit ihren Zielgruppen in den Austausch zu kommen, sich mit ähnlichen Initiativen zu vernetzen. Gerade in den letzten Monaten, konnte man beobachten, wie soziale Medien in der Situation mit vielen neuankommenden Flüchtlingen bei der Vernetzung von Ehrenamtlichen helfen können - hier sind viele tolle Initiativen und Unterstützungsangebote über soziale Medien koordiniert worden.

Was würden Sie jemandem raten, der auf der Suche nach einer Möglichkeit ist, sich ehrenamtlich zu engagieren?

Ich würde einerseits versuchen, vor Ort zu recherchieren, welche Initiativen und Vereine es zu meinem Thema gibt. Doch auch in den sozialen Medien finden sich sicher interessante Initiativen, die ich über ein Profil, eine Gruppe oder Seite ansprechen kann.

Welchen Einfluss hat das politische Engagement der Bürgerinnen und Bürger in den sozialen Medien auf Ihre Arbeit als Politikerin?

Politisch engagierte Bürger, die sich mit einem Anliegen an mich wenden, nehme ich grundsätzlich ernst - egal auf welchem Wege das passiert. Aber natürlich bieten soziale Medien gute Wege, um direkt, schnell und einfach miteinander zu kommunizieren. Ich nehme dort aber auch interessante Initiativen wahr, informiere mich dann und frage nach. Die sozialen Medien sind für mich ein weiterer, sehr interessanter und direkter Weg, mich zu informieren und mich auszutauschen, und das hat ganz sicher Einfluss auf meine Arbeit.

Welche Bedeutung hat für Sie der Smart Hero Award?

Ich finde es toll, dass mit dem Smart Hero Award Initiativen und Ehrenamtliche ausgezeichnet werden, die ihr ehrenamtliches und gesellschaftliches Engagement erfolgreich in und mit sozialen Medien umsetzen - damit noch viel mehr Initiativen ihr Publikum finden und gehört werden. Der Smart Hero Award macht Helden des Ehrenamts sichtbar - das finde ich toll.


Portrait: Franz-Reinhard Habbel
Franz-Reinhard Habbel

Franz-Reinhard Habbel, ist Sprecher und Beigeordneter für politische Grundsatzfragen des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) in Berlin und zugleich Leiter des DStGB-Innovators Club, eines Think-Tanks für Kommunen in Deutschland.

Er ist Mitglied des IT-Planungsrates und des Münchner Kreises, Vorstandsmitglied der European Society for eGovernment e.V. und Mitbegründer des Quadriga-Netzwerkes in Berlin. Seit 2009 ist er Lehrbeauftragter an der Universität Osnabrück, Fachbereich Sozialwissenschaft. In seiner Eigenschaft als eGovernment-Experte befasst er sich in Vorträgen im In- und Ausland mit Fragen der Globalisierung, des Internets sowie der Modernisierung von Politik und Verwaltung. Er ist Herausgeber diverser Veröffentlichungen rund um IKT, Medien, Web 2.0, e-Democracy, Open-Government und Verwaltungsmodernisierung. Im Habbel-Blog (www.habbel.de) schreibt er regelmäßig Kolumnen rund um das Thema Modernisierung.

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Wo sehen Sie das große Potenzial der sozialen Medien für unsere Gesellschaft?

Die Kraft der sozialen Medien liegt in der Vernetzung. Das soziale Kapital in den Städten kann dadurch gestärkt und wirksam werden. Menschen können miteinander auf einfachem Wege kommunizieren, sie tauschen sich in ihrer Alltagswelt aus, verabreden und treffen sich. Grenzen werden so überwunden. Soziale Medien erweitern den Horizont, geben dem Unbekannten einen Raum. Sie ergänzen vorhandene Kommunikationsmittel. Viele Erfahrungen zeigen, dass dadurch nicht zuletzt reale Kontakte gestärkt werden.

Welche Chancen bieten soziale Medien für das ehrenamtliche Engagement und NGOs?

Ehrenamtliches Engagement und NGOs leben von der Kommunikation. In sozialen Netzwerken finden Engagierte zusammen. Sie bilden Gruppen und organisieren sich weitgehend selbst. Soziale Netzwerke sind die Basisinfrastruktur der Zivilgesellschaft. Sie tragen zur Vielfalt und Sichtbarkeit vieler, auch kleinerer Gruppen, bei. Aktuell leisten soziale Netzwerke in Deutschland einen enormen Beitrag zur Integration der Flüchtlinge. Hunderte von Plattformen sind in den vergangenen Monaten entstanden, die Nachfragen nach Unterstützung mit Angeboten aus der Zivilgesellschaft zusammen bringen.

Was würden Sie jemandem raten, der auf der Suche nach einer Möglichkeit ist, sich ehrenamtlich zu engagieren?

Wer sich ehrenamtlich engagieren möchte findet im Internet bzw. in sozialen Netzwerken umfangreiche Informationen über Gruppen, Einrichtungen und Unterstützungsmöglichkeiten. Praktisch jede Organisation ist im Internet vertreten. Dort finden sich auch Beispiele des Engagements. Neben praktischen Einsätzen, beispielsweise in Vereinen, Verbänden oder lokalen und regionalen Initiativen gibt es auch Möglichkeiten der digitalen Unterstützung. Das fängt bei der Hausaufgabenhilfe im Netz an und hört beim Sprachunterricht noch lange nicht auf. Es empfiehlt sich, mit Menschen, die sich engagieren, über soziale Netzwerke in Kontakt zu treten und sich umfassend über die Möglichkeiten des eigenen Engagements auszutauschen. Die virtuelle Kommunikation ersetzt allerdings nicht das reale Kennenlernen.

Welche Herausforderungen sehen Sie für den Alltag der geflüchteten Menschen und wie kann jeder einzelne als gute Nachbarin und guter Nachbar einen unterstützenden Beitrag leisten

Die Integration der Flüchtlinge ist in den kommenden Jahren eine der ganz großen Herausforderungen von Gesellschaft, Wirtschaft und Staat. Integration findet in den Städten und Gemeinden statt. Die Flüchtlinge sind eine Chance für uns alle, in einer offenen Gesellschaft zu leben, die Respekt und Anerkennung jedem Einzelnen zollt. Nur im Dialog können Menschen sich kennenlernen. Aufgabe der Städte ist es, ein kommunikatives Ambiente zu schaffen. Nachbarschaften sind der reale Raum, in dem Integration von Flüchtlingen stattfindet. Auch hier können soziale Netzwerke einen wichtigen Beitrag leisten, in dem sie Informationen und Instrumente der Kommunikation für das Kennenlernen bereitstellen.

Welche Bedeutung hat für Sie der Smart Hero Award?

Der Smart Hero Award zeigt gelungene Beispiele sozialer Kommunikation. Er macht besonders deutlich, welche Potenziale die Digitalisierung für das Zusammenleben der Menschen besitzt und wie sie aktiviert werden können. Für die Städte und Gemeinden in Deutschland ist der Smart Hero Award ein wichtiges Signal für ein gelungenes Miteinander der Menschen. Viele der Beispiele sollten Schule machen.


Portrait: Dagmar Hirche
Dagmar Hirche © Wade


Dagmar Hirche ist seit 2001 Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Aulis Consult GmbH Hamburg und seit 2007 Gründungsmitglied und Vorstandvorsitzende vom Verein Wege aus der Einsamkeit e.V.(Wade), Hamburg und sie hat viele Projekte rund um das Alter mit ihren Vereinskollegen erfolgreich umgesetzt.

Wade setzt sich bundesweit für die Verbesserung der Lebensumstände alter Menschen und ihre Stellung in der Gesellschaft ein. Wade hat sich vorgenommen, positive Projekte rund um das Alter bekannter zu machen und nutzt dazu auch die sozialen Netzwerke. Wade schreibt bundesweit Wettbewerbe zum Thema Alter aus, um so Ideen und Projekte bekannt zu machen und zu unterstützen. Wade ist die Vernetzung von Vereinen, Projektträgern und Aktiven untereinander, die sich mit dem Thema Alter auseinandersetzen, Wade hat einen Leitsatz: Ein langes Leben soll Glück sein, keine Last! Auszeichnungen: GOLDENEN BILD DER FRAU 2011, Smart Hero Award 2015, Google Impact Challenge Finalist

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Wo sehen Sie das große Potenzial der sozialen Medien für unsere Gesellschaft?

Über die sozialen Medien kann man sich sehr schnell informieren und sie sind ein sehr schneller Kommunikationsweg. Jeder kann seine Meinung kund tun, leider auch im negativen Sinn und oft unter Verlust aller Höflichkeitsregeln.

Mir fällt da eine kleine Anekdote ein. Meine Eltern 80 und 88 Jahre alt sind seit Januar 2016 auch Facebook-Nutzer, weil sie in den Printmedien so viel darüber gelesen haben, dass sie nun auch dabei sein wollten. So habe ich ihnen einen Account eingerichtet und sie lesen begeistert viele Postings und bekommen Informationen die sie in den Printmedien nicht lesen würden.

Welche Chancen bieten soziale Medien für das ehrenamtliche Engagement und NGOs?

Die sozialen Medien können sehr gut zum Vernetzen genutzt werden, um sich zu informieren, was welche Vereine national und international an Projekten umsetzen. Auf diesem Weg bekommt man so viele Informationen, die man über Printmedien nie erhalten würde. In die andere Richtung erreicht man seine Mitglieder und Zielgruppen gut und hält sie stetig informiert. Gerade die Funktion Gruppen zu bilden, ist eine Kommunikation schnell und ohne Aufwand leicht möglich. Mit Unterstützung der sozialen Medien kann man sehr gut auf seinen Verein hinweisen.

Was würden Sie jemandem raten, der auf der Suche nach einer Möglichkeit ist, sich ehrenamtlich zu engagieren?

Erst einmal sollte man sich sicher sein, in welchem Bereich und wie man sich engagieren möchte. Auch der Zeitaufwand sollte schon genau überlegt sein. Dabei kann man sich über Freiwilligen Agenturen gut informieren. Eine andere Möglichkeit ist, dass man sich in den soziale Medien über die Suche von relevanten #hashtags informiert.

Viele Vereine und gerade NGOs sind in verschiedenen sozialen Netzwerken unterwegs. Können Sie verraten, welche Faktoren für einen erfolgreichen Auftritt wichtig sind?

Ganz wichtig ist, dass man sich über die Strategie einigt und klar ist, was man mit dem Auftritt erreichen will. Will man nur für seine Mitglieder da sein, für eine Sache einstehen, Spenden sammeln, sich vernetzen etc. Dieses Ziel oder die Ziele sollten dann über die Seite auch kommuniziert werden.
Mit guten Bildern und Videos in regelmäßigen Postings hält man seine „Fans“ interessiert. Es ist dabei sehr zu empfehlen, nicht nur eine Person mit der Aufgabe zu betrauen. Diejenigen, die das dann machen, sollten mit Begeisterung dabei sein und es nicht als Übel abtun nach dem Motto, „Weil man dabei sein muss, machen wir es auch“.


Portrait: Thomas Jarzombek
Thomas Jarzombek © Tobias Koch

Thomas Jarzombek studierte Wirtschaftswissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität und hat sich 1996 mit einem IT-Dienstleistungsunternehmen selbstständig gemacht. 1989 ist er der Jungen Union beigetreten und engagierte sich unter anderem sechs Jahre als Kreisvorsitzender in Düsseldorf und sechs Jahre als stellvertretender Landesvorsitzender. 1994 wurde Thomas Jarzombek in die Bezirksvertretung 7 gewählt, 1999 in den Stadtrat und 2005 in den Landtag. Bei den Bundestagswahlen 2009 und 2013 wurde er direkt in den Deutschen Bundestag gewählt. Seit Januar 2014 ist Thomas Jarzombek Kreisvorsitzender der CDU Düsseldorf und Vorsitzender der CDU/CSU-Abgeordneten im Ausschuss für Digitale Agenda im Bundestag.


Portrait:Dr. Ansgar Klein
Dr. Ansgar Klein

PD Dr. Ansgar Klein ist seit August 2002 (Gründungs-)Geschäftsführer des „Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement“. Er studierte Soziologie auf Diplom an der Universität Frankfurt. Dem folgte eine Promotion in Politikwissenschaft an der FU Berlin und die Habilitation in Politikwissenschaften an der Universität Bremen. Er ist Privatdozent für Politikwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin und Fellow des Maecenata-Instituts. Unter anderem ist Dr. Ansgar Klein Mitherausgeber des Forschungsjournals Soziale Bewegungen und geschäftsführender Herausgeber der Buchreihe „Bürgergesellschaft und Demokratie“ und der Schriftenreihe des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement „Engagement und Partizipation in Theorie und Praxis“. Von 2000 bis 2002 war er wissenschaftlicher Koordinator der SPD-Bundestagsfraktion für die Enquete-Kommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“. Er ist derzeit Mitglied im Hightech-Forum der Bundesregierung und in zahlreichen Gremien aus Politik und Zivilgesellschaft beratend tätig.

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Wo sehen Sie das große Potenzial der sozialen Medien für unsere Gesellschaft?

Ambivalente Entwicklung mit deutlichem Gestaltungsbedarf: Zum einen ermöglichen Internet und Social Media erleichterte Kommunikation und breite Informationszugänge wie auch eine Möglichkeit der freien Informationsverbreitung. Zum anderen sind intensivierte Datenkontrolle und Überwachung ernst zu nehmende Herausforderungen.

Welche Chancen bieten soziale Medien für das ehrenamtliche Engagement?

Auch hier große Möglichkeiten niedrigschwelliger Informationszugänge und auch interaktiver Nutzungen - aber zugleich auch hier ein deutlicher Handlungsbedarf: Fortbildungen für zivilgesellschaftliche Akteure in Online-Kompetenzen und Ausbau niedrigschwelliger Online-Beratungskompetenzen in den Infrastruktureinrichtungen der Zivilgesellschaft.

Was würden Sie jemandem raten, der auf der Suche nach einer Möglichkeit ist, sich ehrenamtlich zu engagieren?

Immer bei seinem Engagement den eigenen Neigungen bei der Auswahl eines „eigensinnigen“ Engagements folgen - Engagement muss Spaß machen und die engagierte Person auch persönlich in ihren Kompetenzen und Erfahrungen bereichern - Selbstwirksamkeitserfahrungen sind für Engagierte besonders wichtig, die zumindest im Kleinen die Gesellschaft bereichern möchten. Dies erfordert freilich entsprechend auf Teilhabe ausgerichtete Organisationskulturen und eine entsprechende Praxis der Einbindung von Engagierten oder der Kooperation mit ihnen.

Viele Vereine und gerade NGOs sind in verschiedenen sozialen Netzwerken unterwegs. Können Sie aus Ihrer Sicht verraten, welche Faktoren für einen erfolgreichen Auftritt wichtig sind?

Kernbotschaften, Nachrichtenwerte für die Zielgruppen, eine solide Sendefrequenz, einfache Sprache und gutes Design sind sicherlich zentrale Erfolgsfaktoren.

Welche Bedeutung hat für Sie der Smart Hero Award?

Der Preis, bei dem ich nun bereits zum dritten Mal als Jurymitglied mitwirken darf, gibt mir die Möglichkeit, gute Praxis im Internet / in Social Media selber besser kennenzulernen und zu unterstützen.



Portrait: Dr. Susanne Lang
Dr. Susanne Lang

Dr. Susanne Lang, Politikwissenschaftlerin (Diplom) und Doktorin der Philosophie, leitet das CCCD seit seiner Gründung im Jahr 2005 und arbeitet im In- und Ausland als Beraterin, Trainerin und Publizistin. Ihre Themen: strategisches Corporate Citizenship, Partnerschaften zwischen Unternehmen und gemeinnützigen Organisationen, Corporate Volunteering. Neben der Rolle und Verantwortung von Unternehmen in der Bürgergesellschaft gehören zu ihren Schwerpunkten außerdem die Förderung von Zivilgesellschaft, bürgerschaftlichem Engagement, Demokratie und Beteiligung.

Bevor sie sich selbstständig machte und zur gemeinnützigen Unternehmerin wurde, arbeitete sie im öffentlichen Dienst, u.a. als Sozialreferentin in der Landesvertretung der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund, sowie für die Friedrich-Ebert-Stiftung, der sie auch heute noch eng verbunden ist: als Mitbegründerin des Arbeitskreises „Bürgergesellschaft und Aktivierender Staat“ sowie als freiberufliche Politikberaterin im Ausland.

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Welche Chancen bieten soziale Medien für das ehrenamtliche Engagement und für NGOs?

Die sozialen Medien weisen eine Wahlverwandtschaft zu Grundprinzipien der Zivilgesellschaft wie Selbstorganisation, Partizipation, Teilhabe und freier Assoziation auf. Umgekehrt können bürgerschaftliches Engagement, Zivilgesellschaft und Demokratie durch mehr Transparenz, den erleichterten Zugang zu Informationen und die Möglichkeiten direkter Kommunikation und Kooperation entscheidend vorangetrieben werden. Kurz: Zivilgesellschaft und soziale Medien gehören zusammen! Sie bergen enormes Potential für bürgerschaftliches Engagement, Engagementförderung und die Weiterentwicklung einer beteiligungsoffenen, demokratischen Bürgergesellschaft.

Allerdings ist hier noch viel zu tun: Die meisten zivilgesellschaftlichen Akteure leben und kommunizieren nach meinem Eindruck noch immer in der Medienwelt von Information (statt Interaktion), und der digitale Graben zwischen den digital natives, den digital immigrants und den digital ignorants - in aller Regel auch ein Graben zwischen Generationen und Bildungsniveaus - durchzieht auch die Zivilgesellschaft.

Welche Bedeutung hat für Sie der Smart Hero Award?

Der Smart Hero Award bedeutet Anerkennung für vorbildliches digitales bürgerschaftliches Engagement. Er macht sichtbar, schafft Öffentlichkeit, gibt Anregungen, welche Möglichkeiten die sozialen Medien für die Zivilgesellschaft beinhalten. Er zeigt die unglaubliche Vielfalt von Engagement im Netz, schließt dabei auch diejenigen ein, die nicht in das Soziale Netz „hineingeboren“ sind. Und er lobt sowohl innovative gemeinnützige Projekte als auch mutige demokratiepolitische Initiativen und macht damit exemplarisch deutlich, wie eng bürgerschaftliches Engagement und Demokratie verknüpft sind.

Dass ich selber dabei viel lerne über ausgezeichnete Engagementprojekte und -ideen ebenso wie über die neuen Möglichkeiten der sozialen Medien, ist ein persönlicher Kollateralnutzen, für den ich sehr dankbar bin.

Was würden Sie jemandem raten der auf der Suche nach einer Möglichkeit ist, sich ehrenamtlich zu engagieren?

Ganz ehrlich? Ich würde ihn oder sie erst einmal nicht ins Internet schicken, sondern zur nächsten Freiwilligenagentur. Es ist nämlich wichtig, in der Vielfalt das „richtige“ Engagement zu finden - Was interessiert mich? Was kann ich einbringen? Wie intensiv möchte/kann ich mich engagieren? Wo finde ich eine Engagementmöglichkeit, die zu mir passt? Wer diese Beratung nicht braucht, weil er/sie schon genau weiß, was und wieviel er/sie wofür tun will, wird natürlich schnell(er) im Internet fündig.

Welchen Einfluss hat Ihrer Meinung nach das politische Engagement der Bürgerinnen und Bürger in den sozialen Medien auf die Arbeit der Politikerinnen und Politiker?

Ich bin in dieser Hinsicht etwas skeptisch - mein Eindruck: die sozialen Medien werden von Politikerinnen und Politikern eher in Form von eigenen Twitter- oder Facebook-Accounts (und das heißt im Kern: eher zur eigenen Öffentlichkeitsarbeit) genutzt als dass sie ernsthaft für demokratische Diskurse und öffentliche Willensbildung eingesetzt würden. Ich wünsche mir mehr systematische Social Media-Analysen und Data Mining, um Debatten im Netz als Diskurs der demokratischen Öffentlichkeit zu nutzen und zu würdigen.

Nicht zuletzt wünsche ich mir intensiveres Engagement gegen die antidemokratische Nutzung der sozialen Medien und gegen die semantische Verwahrlosung und Verrohung des öffentlichen Diskurses im Netz. Hier liegt eine wichtige Aufgabe für Facebook und Co., ebenso wie für jede_n einzelne_n User_in.


Portrait: Lena-Sophie Müller
Lena-Sophie Müller © CC BY 4.0, A. Bedoy

Lena-Sophie Müller ist seit 2014 Geschäftsführerin des gemeinnützigen Vereins Initiative D21 e. V. In dieser Position ist es ihr Anliegen, die gesellschaftlichen Implikationen der Digitalisierung in Deutschland aufzuzeigen und positiv mitzugestalten. Sie diskutiert als Expertin der digitalen Transformation auf verschiedenen Podien und hält Vorträge rund um die Themen der Digitalisierung.

Vor der Initiative D21 arbeitete sie seit 2008 als Wissenschaftlerin am Fraunhofer-Institut FOKUS in Berlin und hat dort zahlreiche Verwaltungsmodernisierungs- und E-Government-Projekte mit der Industrie und der öffentlichen Verwaltung auf EU-, Bundes-, Landes- und Kommunalebene geleitet. Ab 2010 verantwortete sie dort auch das Zentrum für Interoperabilität. Frau Müller studierte Politikwissenschaft in Sydney (Australien) und Potsdam.

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Welche Chancen bieten soziale Medien für das ehrenamtliche Engagement und NGOs?

Ich sehe große Chancen für ehrenamtliches Engagement und NGOs in Vernetzung und Austausch, die durch soziale Netzwerke möglich sind. Durch die Gelegenheit, sich mit unterschiedlichen Experten auszutauschen und sich von Partnern und Zielgruppen Feedback zu holen, aber auch eigenes Wissen weiterzugeben, können Ideen und Erfahrungen ausgetauscht werden, die kreativ inspirieren aber auch abhalten können, das Rad immer wieder neu zu erfinden.

Nicht zuletzt bei ehrenamtlicher Tätigkeit kann das Zeit, Mühe und Geld sparen, drei Dinge, von denen Ehrenamt lebt, aber oft nicht genug hat. Ein weiterer Vorteil ist die Reichweite. Online wird man sehr viel schneller und preiswerter viele Menschen erreichen, als man es mit anderen analogen Mitteln je könnte.

Welche Herausforderungen sehen Sie für den Alltag der geflüchteten Menschen und wie kann jeder einzelne als guter Nachbar einen Beitrag leisten?

Der beste Weg, Geflüchteten zu helfen, beginnt mit der Einstellung. Eine offene und chancenorientierte Gesellschaft wird weniger Probleme mit der Integration haben, als eine vorurteilsgeschwängerte, sich verschließende Gesellschaft.
Offen zu sein, bedeutet jedoch nicht nur, die ankommenden Menschen willkommen zu heißen, sondern auch interkulturell zu denken. Es kommen Fremde zu uns, sie kommen in ein für sie fremdes Land. Das bedeutet, wir müssen uns kennen- und verstehenlernen.

Anfang Juni haben wir mit dem BMI, betterplace lab und open Transfer den Digitalen Flüchtlingsgipfel ausgerichtet. Für mich sehr eingänglich waren die Erfahrungen von Firas Alshater, einem syrischen Flüchtling, der inzwischen über seine YouTube-Projekte einige Bekanntheit erlangt hat. Er erzählte unter anderem, dass er, angekommen in Deutschland, viele Anträge und Papiere auszufüllen hatte, aber kein Deutsch sprach und so schnell auch nicht lernen konnte. In seiner Hilflosigkeit sprach er wildfremde Menschen auf der Straße an und ließ sich von ihnen beim Ausfüllen helfen. Außerdem sind die für uns selbstverständlichen Regeln des Mülltrennens, der Kehrwoche, der Ruhezeiten - um nur einige zu nennen - vielen hier Ankommenden völlig fremd.

Worauf ich hinauswill ist, dass wir über den Tellerrand schauen müssen. Integration funktioniert nicht, denkt man sie nur in eine Richtung. Es ist genauso an uns, neue Mitbewohner aus anderen Kulturkreisen zu integrieren. Und das ist auch der meiner Meinung nach beste Weg, einen Beitrag zu leisten: Den Dialog suchen und mitmachen lassen! Die Sprache und die Gewohnheiten eines Landes kann ich nur verstehen lernen, wenn ich Teil davon bin. Ich werde mich viel einfacher einleben können, wenn ich Unterstützung bekomme und positive Erfahrungen mache. Bei Problemen nicht ablehnen, sondern nachfragen, zuhören, erklären, gemeinsame Wege finden. Vieles wird sich dann als Missverständnis auflösen.

Welche Bedeutung hat für Sie der Smart Hero Award?

Am Smart Hero Award schätze ich die Vielfalt der Projekte. Ob es um Rentner geht, um Geflüchtete oder um Lebensmittel, die nicht verschwendet werden sollen, alle Facetten sozialen Engagements werden hervorgehoben und ausgezeichnet. Es muss nicht immer das weltumspannende, große Projekt sein, dass mit sehr viel Geld aufwartet, gerade die kleinen Initiativen beeindrucken mich nachhaltig, hier erkenne ich so viel Nächstenliebe, Empathie, Sinn für Nachhaltigkeit und Lebensfreude.

Ich bin nun das zweite Jahr in Folge in der Jury und bin wieder vollkommen begeistert, mit was für tollen Projekten Menschen ihren Teil dazu beitragen, diese Welt zu einer besseren zu machen. Ich fühle mich inspiriert und ermutigt, mit anzupacken und bin überzeugt, die große Aufmerksamkeit für die Projekte durch den Award strahlt auch auf so viel mehr Menschen aus.


Portrait: Philipp Otto
Philipp Otto © Bettina Volke


Philipp Otto ist Gründer und geschäftsführender Partner des iRights.Lab. Von Haus ist er Rechtswissenschaftler, Journalist und Berater. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der strategischen Entwicklung von Strukturen, Konzepten und Modellen zur schnellen und konstruktiven Bewältigung von Herausforderungen, die durch die Digitalisierung und das Internet für die Politik sowie öffentliche und private Einrichtungen entstehen. Er ist zudem Herausgeber des Informationsportals iRights.info, Leiter des Projekts „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ sowie Gründer des Verlages iRights.Media.

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Wo sehen Sie das große Potenzial der sozialen Medien für unsere Gesellschaft?

Direkt, schnell und persönlich. Soziale Medien definieren die digitale Kommunikation - beruflich wie privat. Sie sind ein Alltagskommunikationsmittel geworden und werden in Zukunft noch wichtiger werden. Noch haben nicht alle die Fähigkeit sich über die verschiedenen Kanäle spielerisch auszutauschen, doch genau diese Fähigkeit wird in wenigen Jahren über die Generationen hinweg vorhanden sein. Soziale Medien sind dabei nahezu barrierefrei und ermöglichen es, sowohl den Schwächsten in unserer Gesellschaft dabei zu sein als auch politisches Engagement zu organisieren.

Welche Chancen bieten soziale Medien für das ehrenamtliche Engagement und NGOs?

Der Standardfall ist: gute Ideen, viel Engagement und wenig Geld, wenn man insbesondere kleinere NGOs und Ehrenamtliche fragt. Kommunikation ist aber wesentlich, um seine Interessen und sein politisches Anliegen zu vertreten, wie auch mit Gleichgesinnten oder der Zielgruppe in Kontakt zu treten. Soziale Medien überbrücken hier den Money-Gap und jeder ist heute mit ein paar Kenntnissen und spielerischer Leidenschaft in der Lage, seine „audience“ zu erreichen.

Was würden Sie jemandem raten, der auf der Suche nach einer Möglichkeit ist, sich ehrenamtlich zu engagieren?

Hier meine fünf goldenen Regeln dazu: Rat 1: Folge deinem Herz. Rat 2: Du hilfst am besten mit den Sachen, die du am besten kannst. Rat 3: Engagement bedeutet auch Frustration. Schaff dir ein dickes Fell an und lass dich nicht entmutigen. Rat 4: Denke immer daran, dass die kleinen Dinge die große Welt verändern können. Rat 5: Leidenschaft.

Welchen Einfluss hat das politische Engagement der Bürgerinnen und Bürger in den sozialen Medien auf die Arbeit der Politikerinnen und Politiker?

Politikerinnen und Politiker denken immer, dass sie total sozial engagiert sind, weil sie mal im Kindergarten einen Baum pflanzen, bei der Veranstaltung 30 Minuten Kaffee ausschenken oder mit den Engagierten fachsimpeln. Deswegen ist das natürlich nicht gleich eigenes Engagement, kann man ihnen aber auch nicht vorwerfen. Sie machen woanders viel und jeder sollte seinen Bereich mit viel Herzblut bespielen. Der Einfluss der Engagierten ist natürlich groß - wenn sie es richtig machen. Auch hier nun drei Tipps: 1. Massen-Mails und Massen-Messenger-Nachrichten führen zu…nichts. 2. Aktiv fragen, Standpunkte abklopfen und mal einladen führen zu….viel. 3. Wenn das eigene Anliegen aus Sicht des Politikers nicht das wichtigste der Welt ist…akzeptieren und trotzdem weiter positiv dafür werben. 4. Nicht gleich verzweifeln, wenn es mit den Politikerantworten länger dauert, die haben echt viel zu tun. 5. Bezüge schaffen - zur Partei, zu Vor-Ort-Mitgliedern, zu offenen Fragen…Politiker denken ganz oft in "wenn der, dann kann ich ja auch" oder "wenn der, dann lasse ich besser die Finger davon"-Kategorien.

Welche Bedeutung hat für Sie der Smart Hero Award?

Der Smart Hero Award schafft einen Moment der Aufmerksamkeit für die Menschen, die sich in dem höchsten Maße engagieren, die oftmals unter Ausnutzung ihrer gesamten Freizeit und mit ihrer Offenheit zugunsten der Gesellschaft Bedeutendes leisten. Bedeutend, weil die DNA unserer Gesellschaft auf diesen Aktiven beruht. Ihre Kompensation sind nicht Geld oder Ämter - wobei sie beides immer gut gebrauchen können - ihre Kompensation ist, dass wir alle ihnen auf die Schulter klopfen und ihnen sagen, dass ohne sie dieses Land ein anderes wäre. Es ist die öffentliche Aufmerksamkeit, mit der sie kompensiert werden. Mit kleinen E-Mails, mit Artikeln, mit Interesse an ihrer Arbeit und manchmal auch auf der großen Bühne im Blitzlichtgewitter. Genau deswegen gibt es den Smart Hero Award.


Portrait: Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg
Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg


Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg ist DRK-Vizepräsidentin und Mitglied im Beirat der Stiftung Digitale Chancen. Nach ihrer Ausbildung als Sozialpädagogin hat Frau von Schenck milieugeschädigte sowie psychisch kranke und drogenabhängige Jugendliche betreut. Seit vielen Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich, so zunächst im DRK-Kreisverband Wuppertal und seit 2006 als Vizepräsidentin des Deutschen Roten Kreuzes. Sie vertritt das DRK im Deutschen Verein und in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, deren Präsidentin sie von 2009 bis März 2011 war. Darüber hinaus nahm sie von 2010 bis 2013 für die BAGFW am Runden Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich“ teil und war von 2011 bis 2014 Mitglied im Beirat der Beauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration.

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Welche Chancen bieten soziale Medien für das ehrenamtliche Engagement und NGOs?

Direkte Kommunikation mit klugen Köpfen, spontanen Helfern, aber auch Kritikern im In- und Ausland ist in den letzten Jahren zu einem unschätzbaren Wert für die Zivilgesellschaft geworden. Nicht nur, dass sich die Informationswege unserer Zeit verkürzt haben, durch soziale Medien erfahren Begriffe wie Transparenz, Wirkung und offener Dialog eine grundlegend neue Bedeutung. Die Hürde sich zu engagieren ist geschrumpft! Bei allen Chancen sehen sich Hilfsorganisationen einer neuen Verantwortung dem Einzelnen gegenüber, der versucht mit "den Weiten" der sozialen Medien umzugehen. Hilfsorganisationen haben einen Bildungsauftrag und müssen ein Stück weit zum Kompass für die Nutzung von sozialen Medien werden.

Sie setzen sich in Ihrer Arbeit auch mit den Themen Migration und Integration auseinander. Welche Herausforderungen sehen Sie für den Alltag der geflüchteten Menschen und wie kann jeder einzelne als guter Nachbar einen Beitrag leisten?

Das Wichtigste ist das Erlernen der deutschen Sprache, hier gibt es zu wenig Angebote, fehlende Lehrer. Die Gruppen sind zu groß, es wird oft nicht unterteilt zwischen Analphabeten und Studenten, auch fehlende Kinderbetreuung für die Mütter während der Sprachkurse ist zu bemängeln.

Es gibt zurzeit viele Programme, mit deren Hilfe Flüchtlinge durch Praktika in den Arbeitsmarkt kommen können. Aber der Wissenstransfer, besonders auf dem Lande, sollte verbessert werden. Fehlende Mobilität auf dem Lande erschwert es, die Möglichkeiten, die angeboten werden, zu nutzen.

Da sind Helferkreise, Paten, Mentoren ganz wichtige Partner, um den Flüchtlingen - auch bei Behördengängen und dem Ausfüllen der Formulare - unter die Arme zu greifen. Willkommensveranstaltungen, Nachbarschaftsfeste, Ansprechen von Sportvereinen sind ein guter Anfang, ebenso Spielzeug sammeln. Durch Veranstaltungen zu Themen wie Feste, Sitten und Gebräuche, Religion kann man Bürgern die Angst vor dem "Fremden" nehmen, sie aktiv einbinden. Ich habe in unserem Dorf mit Flüchtlingen gekocht und die Nachbarschaft zum Essen eingeladen. Jeder Einzelne von uns kann einen Beitrag zur Integration leisten.

Welche Bedeutung hat für Sie der Smart Hero Award?

Der verantwortungsvolle und kreative Umgang mit den Chancen sozialer Medien ist in unserer heutigen Zeit nicht selbstverständlich. In diesem Zusammenhang würdigt der Smart Hero Award Projekte, die gesellschaftlichen Vorbildcharakter besitzen. Sinnvoll und unerlässlich zugleich, setzt der Preis damit greifbare Standards.