Es ist schmerzhaft, sein Land zu verlassen

13
APR
2016
Niloo Roshani
© privat

Die Gepflogenheiten in einem anderen Land erscheinen uns manchmal fremd und nicht leicht zu verstehen, gerade wenn wir die Sprache nicht sprechen. Wie einfach sind Missverständnisse ausgeräumt, wenn wir mit den Menschen in unserer Nachbarschaft in Kontakt treten. Im Interview erzählt Niloo Roshani von ihrem Engagement bei dem Verein GIZ. Dieser bietet ein Forum für interkulturelle Begegnung und unterstützt zudem Zugezogene aus dem Ausland mit Bildungsangeboten und Freizeitaktivitäten.

Du engagierst Dich bei dem Verein GIZ e. V.. Welche Ziele hat sich der Verein gesetzt?

Die Gesellschaft für interkulturelles Zusammenleben (GIZ) e. V. fördert durch pädagogische Projekte und Maßnahmen die Verbesserung der Situation von benachteiligten Personen.

Das multikulturelle Team des Vereins initiiert und realisiert interkulturelle Begegnungen. GIZ e. V. arbeitet seit 2000 mit Familien, Kindern, Jugendlichen und jungen und älteren Migrantinnen und Migranten. Der Träger arbeitet mit kultursensiblen Ansätzen und mit interkulturell geschulten und bilingualen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Wir sprechen türkisch, kurdisch, arabisch, spanisch, persisch, englisch, französisch, bulgarisch, niederländisch, italienisch, russisch, ukrainisch und polnisch.

GIZ vermittelt sowohl interkulturell geschulte Fachleute als auch interkulturelle Kompetenz und führt professionelle Beratung und Betreuung nach dem SGB VIII durch. Der Träger leitet Maßnahmen in Kooperationen mit Schulen und verschiedenen Berliner JobCentern. Benachteiligte Jugendliche und Erwachsene werden bei der Eingliederung bzw. Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt unterstützt. Wir bieten verschiedene Aktivitäten für Flüchtlinge an: Lernangebote für Kinder, Kultur und Freizeitangebote, Deutsch lernen für Groß und Klein. Zu dem helfen wir Kostenlos bei der Sprachmittlung und begleiten zu Ämtern und Behörden bzw. Spende für die Einrichtungen.

Welche Aufgaben übernimmst Du?

Ich bin für die Koordination von Spenden zuständig. Wir sammeln Sach - und Zeitspenden. Ich organisiere unterschiedliche kulturelle Veranstaltungen für verschiedene Flüchtlingseinrichtungen im Bezirk Spandau. Mein Kollege und ich organisieren wöchentlich auch eine sogenannte Flüchtlingskoordinierungsrunde. Es nehmen 20-25 Personen an den Treffen teil, es geht dabei vor allem um den Austausch zwischen der Akteure, mit Raum für Diskussionen und Ideen. Die Treffen finden wöchentlich, mittwochs von 17:00 bis 18:00 Uhr, in der Spandauer Altstadt (Gemeinderaum St. Nikolai, Reformationsplatz 8, 13597 Berlin) statt. Auch mit dem Bürgermeister von Spandau, Helmut Kleebank, stehen wir in engem Kontakt und informieren ihn über die aktuelle Situation im Bezirk.

Was hat Dich bewegt Dein Engagement aufzunehmen?

Ich komme aus dem Iran und lebe seit 3 Jahre in Deutschland. Ich habe in Indien Soziologie studiert und hielt mich deshalb für sehr anpassungsfähig und flexibel. Trotzdem war es für mich am Anfang sehr schwer in Deutschland Fuß zu fassen, obwohl ich nicht als Geflüchtete nach Deutschland kam. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mich hier zurecht gefunden habe. Ich kann sehr gut nachempfinden, was Menschen durchmachen müssen. Die Menschen kommen zudem aus einer Kriegssituation, sie mussten alles zurück lassen, haben alles verloren. Hier haben sie keine Freunde, keine Familie und keine Netzwerke die sie nutzen könne. Alles muss neu gelernt und erschaffen werden. Das braucht Zeit.

Nach der Revolution im Iran 1979 sind viele Freunde und Verwandte aus dem Iran geflohen. Ich weiß, wie schmerzhaft das ist, sein Land zu verlassen. Deshalb habe ich beschlossen, Geflüchtete zu unterstützen. Ich habe selbst auch Unterstützung bekommen, deshalb möchte ich zum einen meine Erfahrungen einbringe als auch etwas zurückgeben.

Was war Deine schönste Erfahrung?

Ich habe letzten Winter eine Spende von einem Unternehmen bekommen. Mit dem Geld konnten wir rund 200 Kindern aus einem Spandauer Flüchtlingsheim Weihnachtsgeschenke kaufen und verschenken. Es war sehr schön zu sehen, wie viel Freude wir den Kindern damit machen konnten.

Wie organisiert und finanziert ihr euren Verein?

Wir sind ein gemeinnütziger Verein. Wir führen unterschiedliche Projekte durch und werden dabei unter anderem vom Senat unterstützt, bekommen aber auch Spenden für die Geflüchteten. GIZ ist auch zertifizierter Bildungsträger und vom BAMF anerkannter Integrationskursträger.

Wie kommuniziert Ihr mit Eurem Umfeld um Unterstützung und Aufmerksamkeit zu bekommen?

Wir nutzen hauptsächlich unser großes Netzwerk. Das wöchentliche Vernetzungstreffen ist ein sehr gut bewährtes Kommunikationsformat, um Informationen in die Fläche zu transportieren. Natürlich nutzen wir auch soziale Medien und machen auch eine professionelle Presse und Öffentlichkeitsarbeit, aber viel wichtiger ist für uns die Kommunikation mit den Menschen. Ich finde bei diesem Thema die persönliche Kommunikation wichtig. Wir sind bereits viele Jahre als Verein aktiv und verfügen dadurch über ein gewachsenes Netzwerk in Berlin.

Für viele erscheint es schwierig, sich zu engagieren. Was würdest Du anderen raten, die ein Engagement beginnen wollen?

Es gibt viele Möglichkeiten sich zu engagieren. Ich würde jedem raten sich im Bezirk nach Möglichkeiten umzuschauen. Im Internet findet man sehr viele Möglichkeiten. Man kann sich aber auch im eigenen Umfeld umhören, viele Menschen engagieren sich bereits, da gibt es bestimmt einige Ideen und Möglichkeiten. Mir gibt mein Engagement sehr viel zurück und ich denke, es ist auch eine gemeinschaftliche Aufgabe die wir da haben.

Das Interview führte Jens Dupski