Wenn jemand Hilfe braucht, sollte man helfen.

01
APR
2016
Katrin Laue
© Jens Dupski

Gerade die deutschen Großstädte sind in den letzten Jahren für Menschen aus dem Ausland als neue Heimat beliebt geworden. Zunehmend kommen auch Menschen in unsere Nachbarschaft, die vor Gewalt und Vertreibung Schutz suchen. Mit ihnen werden die Freiwilligen immer mehr, die mit viel Engagement bei der Kleiderausgabe oder mit Deutschkursen helfen. Katrin Laue ist eine dieser engagierten Helferinnen in einem Asylbewerberheim und erzählt von ihren Erfahrungen.

Beschreibe uns dein Ehrenamt. Was für Aufgaben übernimmst Du?

Als bei mir in der Nähe ein Flüchtlingsheim aufgebaut wurde, entschied ich mich, da zu helfen. Am Anfang habe ich beim Aufbau geholfen. Ich habe also mit den anderen zusammen Teppich verlegt, Liegen aufgestellt, Betten bezogen und Handtücher verteilt. Irgendwann standen dann die ersten Menschen vor der Tür und es war noch nicht alles fertig. Nachdem die ersten Bewohner ihre neue Unterkunft bezogen hatten, kamen auch neue Aufgaben. Heute unterstütze ich die Arbeit in der Küche. Für so viele Menschen muss Essen geplant, vorbereitet und verteilt werden. Am Ende des Tages muss die Küche wieder sauber sein. Da wird jede helfende Hand gebraucht.

Was hat Dich bewegt, dieses Engagement aufzunehmen?

Wenn jemand Hilfe braucht, sollte man helfen. So einfach ist das. Ich hatte im Geschichtsunterricht der Grundschule Bilder von Leichenbergen von getöteten Juden im zweiten Weltkrieg gesehen. Ich habe mich und auch meine Großeltern gefragt, warum denn niemand etwas dagegen getan hat, um das zu verhindern. Warum hat sie niemand aufgenommen und versucht sie zu retten? Schon als Kind war mir klar, sollten mal Flüchtlinge vor unserer Tür stehen und Hilfe brauchen, wären sie Willkommen.

Jetzt, als Erwachsene, weiß ich, dass Helfen wichtig ist und Helfen muss man lernen. Es ist nicht schwer mal mit anzupacken, wo Hilfe gebraucht wird. Dabei lerne ich meine Mitmenschen, meinen Nachbarn kennen und so können Unsicherheiten und Ängste überwunden werden. Auf diese Weise mein Umfeld zu entdecken, ist eine Bereicherung für mich. Helfe ich zum Beispiel Senioren, bekomme ich eine Vorstellung davon, wo das Leben mal hingehen kann. Bei der Beschäftigung mit Kindern wird die Welt auf einmal auf ganz wesentliche Dinge reduziert. Wir lernen Mitgefühl zu haben.

Was war für Dich eine schöne Erfahrung?

Ein älterer Herr aus Syrien zeigte seine Dankbarkeit, indem er meinen Namen auf Arabisch für mich schrieb. Er stand vor der Küche und erzählte mit leuchtenden Augen von seinem Restaurant in seiner Heimat. Er war da bestimmt ein toller Gastgeber. Ein andermal war ich gerade dabei, die vollen Müllbeutel zu wechseln. Es kam gleich ein Flüchtling herüber, um mir dabei zu helfen. Ich bedankte mich für seine Hilfe, doch er erwiderte - Nein, ich danke dir.

Wie organisiert ihr euch bei so vielen Menschen?

Über die Plattform volunteer-planer.org organisiert die Leiterin von „Willkommen im Westend“ die freiwilligen Helfer. Generell können Leute sich über diese Plattform informieren, wo, wann und welche Unterstützung benötigt wird. Das ist ein gutes Hilfsmittel in der Kommunikation. Es ist eine große Herausforderung, die Arbeit des Trägers und die Unterstützung von Freiwilligen zu koordinieren. Ständig ändert sich etwas, weil neue Informationen reinkommen. So ändert sich auch mal kurzfristig, ob und wie viele Unterstützer gerade gebraucht werden. Das kann über diese Plattform sehr schnell eingegeben werden und ist für Helfer gut einsehbar.

Wie kommuniziert ihr mit eurem Umfeld, um Unterstützung und Aufmerksamkeit zu bekommen?

Ich persönlich bin jederzeit gesprächsbereit. Wenn Menschen in meiner Umgebung Fragen haben, erzähle ich von meinen Erfahrungen. Ich beziehe klar Stellung, wenn Menschen Hilfe brauchen. Vielleicht nervt das manchmal meine Freunde, aber für mich ist und bleibt es ein wichtiges Thema.

Über die Seite willkommen-im-westend.de bekommt man einen Einblick in die Arbeit des Bündnisses. Transparent wird über die Inhalte der Treffen berichtet. Es werden außerdem Termine angekündigt, die in der Nachbarschaft stattfinden. Auch hier kann man sich über Spendenmöglichkeiten informieren und wo Hilfe benötigt wird.

Für einige scheint es schwierig, sich in der Gesellschaft zu engagieren. Was würdest Du ihnen raten?

Ich sehe mich selber eher als schüchterner Mensch und kann die Hemmung verstehen. Es ist jedoch nicht schwieriger, als wenn man zum ersten Mal in einen neuen Sportkurs geht. Zuerst sollte einem selbst bewusst sein, wem ich helfen möchte und wie. Dabei hilft es, mit Freunden und Bekannten zu sprechen. Natürlich findet man auch viele Erfahrungsberichte im Internet, die bei der Orientierung helfen können.

Das Interview führte Jens Dupski