Eva-Maria Kirschsieper und Gerhard Seiler im Interview

29
NOV
2015
Eva-Maria Kirschsieper und Gerhard Seiler

„Der Smart Hero Award motiviert die Menschen, soziale Medien für die gute Sache zu nutzen.“

Eva-Maria Kirschsieper, Leiterin Public Policy bei Facebook Deutschland, und Gerhard Seiler, Geschäftsführer der Stiftung Digitale Chancen, erzählen im Interview, wie sich Engagement ins Digitale verlagert, welche Rolle Seniorinnen und Senioren dabei spielen und wie es mit dem Smart Hero Award weitergeht.

Herr Seiler, gerade zeigt sich anhand der großen Not vieler Geflüchteter die enorme Hilfsbereitschaft von Menschen. Welchen Beitrag können soziale Medien leisten, um Ehrenamt und politisches Engagement zu unterstützen?

Ich sehe auf Facebook jeden Tag viele Aufrufe, um Menschen auf der ganzen Welt zu unterstützen. Dabei geht es oft um essenzielle Dinge wie Trinkwasser, Windeln oder Pflaster. Aber gerade in den letzten Monaten sehe ich zugleich, wie immer mehr Menschen sich auch für diejenigen einsetzen, die hier bei uns in Deutschland Fuß fassen möchten, indem sie zum Beispiel Praktikumsplätze oder auch Fahrräder, Kinderspielzeug und Möbel vermitteln. Hier geht es nicht nur um individuelle Hilfe, sondern auch darum, etwas für die Gesellschaft beizutragen. Das sind in meinen Augen digitale Chancen, die im realen Leben ihre Wirkung entfalten. Und es zeigt, dass auf Facebook eine Gemeinschaft von Menschen wirklich etwas Positives erreichen kann.

Frau Kirschsieper, zahlreiche soziale Organisationen nutzen Facebook ganz selbstverständlich, um sich zu vernetzen, zu koordinieren und um Unterstützer zu gewinnen. Warum braucht es da noch einen Award?

Wir zeichnen Menschen mit dem Smart Hero Award aus, die sich auf besondere Art und Weise für andere oder für die gute Sache einsetzen. Damit möchten wir ihnen für ihr Engagement danken und sie als Positivbeispiele für den gelungenen Einsatz sozialer Medien hervorheben und damit mehr Menschen animieren, Gutes zu tun und sich gesellschaftlich stark zu machen. Außerdem ist mit dem Preis ein Geldgewinn verbunden, den die Organisationen für ihre Projekte nutzen können.

Herr Seiler, ein Ziel der Stiftung Digitale Chancen ist es, Menschen für die Möglichkeiten des Internets zu interessieren und sie bei der Nutzung zu unterstützen. Wie hilft Ihnen der Smart Hero Award dabei?

Für viele ist das Internet inzwischen eine Selbstverständlichkeit, aber immer noch gehört rund ein Viertel unserer Bevölkerung zu den sogenannten „Nonlinern“. Dabei fehlt insbesondere sozial Benachteiligten sowie älteren Menschen und Menschen mit Behinderungen der Zugang zum Netz. Daran etwas zu ändern, ist die Mission der Stiftung Digitale Chancen. Der Smart Hero Award motiviert die Menschen, soziale Medien für ihre persönlichen Interessen und für ihr Engagement für andere, also für die gute Sache, zu nutzen.

Stichwort Silver Surfer: Dieses Jahr wurde auch ein Seniorenpreis vergeben. Wachsen die Nutzerzahlen der Menschen, die über 60 Jahre sind, bei Facebook, Frau Kirschsieper?

Facebook hatte schon immer das Anliegen, Menschen miteinander zu vernetzen - das Alter spielt dabei keine Rolle. Wir sehen aber, dass viele ältere Menschen auf unserer Plattform vertreten sind. Das hat ganz einfache und praktische Gründe: Durch Facebook ist es leicht geworden, mit anderen und insbesondere mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben. Die Menschen nutzen die Möglichkeit, besonders schöne oder auch wichtige Momente auf Facebook zu teilen - und so können auch ältere Menschen auf dem Laufenden bleiben, was Kinder, Enkelkinder, Verwandte und Bekannte tagtäglich beschäftigt.

Und im Internet generell, Herr Seiler?

Im Jahr 2010 lag der Anteil der Menschen ab 60 Jahren, die zumindest gelegentlich online waren, bei rund 28 Prozent. Im Jahr 2014 waren es schon über 45 Prozent, Tendenz weiter steigend. In unserer gerade gemeinsam mit Telefónica herausgegebenen Erfahrungsstudie haben wir festgestellt, dass Tablet-PCs für Seniorinnen und Senioren besonders attraktiv sind, um die ersten Schritte ins Internet zu gehen. Die Initiative „Wege aus der Einsamkeit“, die stolzen Gewinnerinnen und Gewinner des Smart Hero Awards in der Kategorie Seniorinnen und Senioren, sind da schon um einiges weiter. Sie organisieren jährlich auf Facebook einen Senioren-Flashmob zum Weltseniorentag.

Frau Kirschsieper: Wie viele Bewerbungen gab es in diesem Jahr für den Smart Hero Award, war der Andrang groß?

Wir hatten über 250 Einreichungen in diesem Jahr - dreimal so viele wie im vergangenen Jahr. Das hat uns sehr gefreut, gerade da wir den Award erst zum zweiten Mal ausgerichtet haben. Die Preisverleihung selbst war dieses Jahr sehr emotional und hat uns bestärkt, den Award auch in den kommenden Jahren ausloben zu wollen. Das Highlight war sicherlich, dass über den Smart Hero Award mit den Gewinnerinnen und Gewinnern in der ARD-Tagesschau berichtet wurde. Unser Ziel ist es nun, die Zahl der Einreichungen im nächsten Jahr erneut zu toppen.

Herr Seiler: Hat es Ihr Lieblingsprojekt unter die Gewinner geschafft?

Ganz ehrlich habe ich mich für alle Nominierten, Preisträgerinnen und Preisträger riesig gefreut. Es gab unter den Einreichungen so viele großartige Ideen und Projekte, die soziale Medien als strategisches Werkzeug nutzen, dass es schon bei der Auswahl der Nominierten sehr schwierig war, sich auf zwölf Projekte festzulegen. Deswegen bin ich sehr froh, dass wir bei der Vorab-Bewertung der Beiträge auf ein Bewertungssystem mit klaren Kriterien zurückgreifen können und die persönlichen Vorlieben keine Rolle bei der Auswahl spielen. Die Jury hatte es dann wirklich schwer, zu entscheiden. Besonders gefreut hat mich, dass die Initiative „Dresden Nazifrei“ den Publikumspreis erhalten hat und unsere Schirmherrin Bundesministerin Manuela Schwesig den Preis gemeinsam mit Sheryl Sandberg von Facebook an die Initiative überreicht hat.

Wie wird es mit dem Smart Hero Award weitergehen?

Wir haben uns bereits zusammengesetzt und erste Ideen für das nächste Jahr entwickelt. Doch es ist noch zu früh, um konkrete Pläne verkünden zu können. Fest steht, dass wir auch im nächsten Jahr wieder auf die Suche nach „smarten Heldinnen und Helden“ gehen werden und uns schon jetzt auf die hoffentlich wieder zahlreichen Einreichungen freuen. Wer den Startschuss zum Award 2016 nicht verpassen will, sollte unsere Facebook-Seite www.facebook.com/smartheroaward abonnieren. Dort findet man immer alle aktuellen und weitere interessante Informationen rund um das Thema soziales und gesellschaftliches Engagement.