Die Nominierten in der Kategorie bürgerschaftliche und politische Beteiligung

18
JUN
2015
Politisches Engagement
© moodboard | Thinkstock by Getty Images

„Social Media Kanäle zu bespielen, ist wie ein Orchester zu dirigieren“

Unsere Demokratie lebt von der Beteiligung und dem Engagement der vielen Bürgerinnen und Bürger, die sich freiwillig für ein gesellschaftlich relevantes Thema einsetzen mit dem Ziel, bestehende gesellschaftliche Verhältnisse zu ändern und damit einen Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen. Die öffentliche Meinungsbildung ist eine grundlegende Voraussetzung für demokratische Legitimität unserer Volksvertreter. Sie ist auch der Motor für Veränderung. Das Internet und vor allem die sozialen Netzwerke sind leicht zu bedienende Kanäle, um gute Ideen stark zu machen und Unterstützung zu generieren.

Was möglich ist, zeigen beispielhaft diese vier Projekte in der Kategorie bürgerschaftliche und politische Beteiligung, die für den Smart Hero Award 2015 nominiert sind. Hier werden Beiträge ausgezeichnet, die mit Hilfe von sozialen Medien das Gemeinwohl auf gesamtgesellschaftlicher Ebene fördern, das demokratische Bewusstsein stärken und zu politischer Beteiligung motivieren.


Die Initiative „Nazifrei! - Dresden stellt sich quer“ beteiligt sich aktiv am Dresdner Gedenkdiskurs und hält die Problematiken um Fremdenfeindlichkeit und rassistischer Übergriffe lebendig, wenn diese aus den Massenmedien längst verschwunden sind. Hierfür sind soziale Medien sehr gut geeignet und ein einfacher Weg der Kommunikation mit Unterstützerinnen. „Ganz generell ermöglichen soziale Netzwerke politischen Gruppen eine einfachere Vernetzung nach innen und eine einfachere Kommunikation nach außen“, sagt Silvio Lang von der Initiative. „Für uns bedeutet das: wir können unsere Botschaften ungefiltert direkt an mehr als 40.000 Menschen auf Facebook und fast 15.000 Menschen auf Twitter versenden.“
In sozialen Netzwerken ist es wichtig, so Silvio Lang, regelmäßig Informationen zu posten und über das eigene Anliegen aufmerksam zu machen, damit potentielle Mitstreiterinnen und Mitstreiter sich mit dem Anliegen identifizieren können. „Ziel ist immer, dass möglichst viele Menschen das Gefühl haben, dass sie für unsere Aktion gebraucht werden und daher entscheiden, mit uns auf die Straße zu gehen.“

Lesen Sie das ausführliche Interview mit „Nazifrei! - Dresden stellt sich quer“ hier.


Das Modellprojekt CUCULA - Refugees Company for Crafts and Design, ist ein weiteres Beispiel für Anerkennung und Toleranz. Das Unternehmen von und für Flüchtlinge unterstützt Flüchtlinge mit einem Bildungsprogramm und einer Ausbildung in Holzverarbeitung, wodurch sie an einer eigenen Zukunft bauen können. Zusammen mit Designern arbeiten sie am Entwurf und der Umsetzung von Möbeln und dessen Vertrieb. Über eine Crowdfunding-Aktion und mit Unterstützung sozialer Medien haben sie 70.000 Euro eingeworben und 330 Möbel verkauft. Das alles zu organisieren ist für ein junges Unternehmen eine große Herausforderung, so Jessy Medernach von Cucula. Doch die größte Herausforderung war „die Öffentlichkeit während der Kampagne am Ball zu halten. Das war fast wie ein Orchester, das man dirigieren musste - da ein bisschen Presse, da Updates auf Startnext und Facebook, da einen Botschafter sprechen lassen.“ Soziale Medien helfen dabei, die Öffentlichkeit über das Projekt auf dem Laufenden zu halten. Sie eröffnen zudem „einen demokratischen Prozess, indem das Publikum die Möglichkeit bekommt, sich direkt zu beteiligen.“

Lesen Sie das ausführliche Interview mit „CUCULA - Refugees Company for Crafts and Design“ hier.


Eine weitere Initiative ist die Mobilisierungskampagne Wer braucht Feminismus?. Diese Kampagne wird von Jasmin Mittag und ihrem Team geleitet. Mit der Frage wollen sie Menschen dazu animiert, sich konstruktiv mit dem Thema Feminismus zu beschäftigen und in der Auseinandersetzung geschlechtsbezogene Diskriminierung auf allen Ebenen der Gesellschaft sichtbar machen. Hierfür sind sie auf fast allen Social Media Plattformen unterwegs. Für die Reichweite ist das ein entscheidender Punkt und so erreichen sie insgesamt über 7.500 Menschen. „Dabei wirken jede und jeder einzelne als Multiplikatorin bzw. als Multiplikator und ist ein Vorbild für das eigene persönliche Umfeld“, stellt Jasmin Mittag fest. Mit den mehr als 1.300 gesammelten Statements zeigt sich die Vielfalt des Begriffs Feminismus. Ziel der öffentlichen Präsentation dieser Statements ist, „Menschen in ihrem Engagement zu bestärken, zu Diskussionen anzuregen und Meinungen zu schärfen.“ Mit einer Wanderausstellung zu Wer braucht Feminismus? ist Jasmin Mittag und ihr Team in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung in verschiedenen Städten unterwegs, demnächst in Jena, Dresden und Berlin.

Lesen Sie das ausführliche Interview mit „Wer braucht Feminismus?“ hier.


Mit Junge Helden e.V. sind es vier Nominierte in der Kategorie „Bürgerschaftliche und politische Beteiligung“ des Smart Hero Award 2015. Der Berliner Verein setzt sich für die Aufklärung zum Thema Organspende ein. Dem Verein geht es darum, einen positiven Berührungspunkt zu schaffen und zu zeigen, dass es bei der Entscheidung für oder gegen Organspende letztlich auch um das Leben und somit um Verantwortung geht. Ein Junger Held ist, wer sich mit dem Thema auseinandersetzt und eine persönliche Entscheidung trifft, getreu dem Motto: Entscheidend ist die Entscheidung.
Mit Schulbesuchen, Vorträgen, Sport-Events, Partys und medialer Präsenz sprechen Angela Ipach und ihr Team an Freiwillige gezielt Jugendliche an. „Insbesondere junge Menschen begegnen dem Thema sehr offen und unvoreingenommen. Sie sind sehr wissbegierig und stellen ihre Fragen meist direkt und ungehemmt“, erklärt Angela Ipach. Mit prominenter Unterstützung, wie Jürgen Vogel, Joko Winterscheidt und anderen, haben sie gerade einen Film gedreht mit dem Ziel „möglichst viele Menschen in Deutschland umfassend und unterhaltsam über Organspende aufzuklären“. Der Film kann ab dem 29.06.2015 auf Youtube und Vimeo angesehen werden und ist Teil eines Bildungspakets für Schulen und Bildungseinrichtungen.

Lesen Sie das ausführliche Interview mit „Junge Helden e.V.“ hier.