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Publikumspreis Dresden Nazifrei

Preisträger in der Kategorie "Bürgerschaftliche und politische Beteiligung"

Screenshot Publikumspreis Dresden Nazifrei

Die Initiative „Nazifrei! - Dresden stellt sich quer“ (Dresden Nazifrei) wurde 2009/2010 als Reaktion und Gegenbewegung zum Naziaufmarsch in Dresden gegründet. Seitdem wird zu Demonstrationen aufgerufen, sowie aktuelle Berichterstattung zu eigenen und verwandten Kampagnen bereitgestellt, um sich aktiv am Dresdner Gedenkdiskurs zu beteiligen. Dresden Nazifrei versteht sich außerdem als aktive Gegenbewegung zu Pegida.

Silvio Lang, mit ihrem Bündnis setzen Sie sich aktiv gegen Rassismus und menschenfeindliche Aktionen in Dresden ein. Im Internet kann man mit nur einem Klick eine Petition unterschreiben. Wie hat der Einsatz von sozialen Netzwerken aus Ihrer Sicht die politische Partizipation verändert?

Ganz generell ermöglichen soziale Netzwerke politischen Gruppen eine einfachere Vernetzung nach innen und eine einfachere Kommunikation nach außen. Für uns bedeutet das: wir können unsere Botschaften ungefiltert direkt an mehr als 40.000 Menschen auf Facebook und fast 15.000 Menschen auf Twitter versenden. Gerade das wir dafür nicht mehr auf die Verstärkungswirkungen von klassischen Massenmedien angewiesen sind, hat uns vor allem in den ersten Jahren extrem geholfen, als die Kriminalisierung und Repression unseres Bündnisses noch sehr viel stärker war. Mittlerweile nutzen wir auch sehr viel stärker die Möglichkeit, direktes Feedback zu unseren Aktionen und Statements in die weiteren Diskussionen des Bündnisses einfließen zu lassen.

Wie haben Sie sozialen Medien eingesetzt und es geschafft, immer wieder Menschen zu mobilisieren?

Wir nutzen Soziale Medien seit unserem Bestehen. Via Facebook versuchen wir, Menschen zu mobilisieren, an unseren Aktionen teilzunehmen. Dies geschieht zunächst durch tägliche Postings, um die Menschen über unsere Planungen und Positionen zu informieren, damit sie sich mit unserem Anliegen identifizieren können. Wenn konkrete Aktionen anstehen, versuchen wir mittels erstellter Veranstaltungen und ständiger Hinweise auf unseren Aufruf, Verlinkungen zu unserer Homepage und Verweisen auf klassische Presseberichte, den Menschen die Relevanz unserer Aktion klar zu machen. Ziel ist immer, dass möglichst viele Menschen das Gefühl haben, dass sie für unsere Aktion gebraucht werden und daher entscheiden, mit uns auf die Straße zu gehen. Darüber hinaus nutzen wir die Sozialen Netzwerke auch, um Spenden einzuwerben – denn als ehrenamtliche Strukturen sind wir genau darauf angewiesen. Und wir stellen an den Aktionstagen über die Sozialen Netzwerke Twitter und Facebook aktuelle Infos, quasi Liveticker, zur Verfügung, damit Menschen sich auf der Straße organisieren und informieren können.

Seit 2009 haben wir so zusammen jeweils rund um den 13. Februar insgesamt weit über 50.000 Menschen mobilisiert, 2011 allein waren 22.000 Menschen mit uns an einem Tag in Dresden auf der Straße und haben Nazis blockiert. Mit Beginn der Anti-Pegida-Proteste wurde von uns wöchentlich Gegenwehr organisiert, über viele Wochen waren wir immer mit mindestens 2000 Menschen, in der Spitze mit 11.000 Menschen auf der Straße präsent.

An welchen aktuellen Projekten arbeiten Sie zurzeit?

Aktuell erarbeiten wir eine Reihe von Info- und Bildungsveranstaltungen, um uns auch inhaltlich wieder stärker in den Gedenkdiskurs in Dresden einzubringen. Gleichzeitig planen und veranstalten wir sogenannte Blockadetrainings, um die Menschen auf diese durchaus nicht ungefährlichen Situationen vorzubereiten und dafür Sorge zu tragen, dass alle Seiten besonnen reagieren. Quasi nebenbei beobachten wir immer noch Pegida, leisten Recherchearbeit zu Nazi- und Rassist_innenstrukturen und versuchen, Ressourcen und Strukturen bereit zu halten, um auf Events der rechten Szene reagieren zu können.

Ganz konkret planen wir, wie in jedem Jahr seit 2011, auch unseren „Täterspurenmahngang“, der immer am 13. Februar stattfindet und unser Angebot ist, einen angemessenen Umgang mit diesem historischen Datum in den öffentlichen Raum einzubringen. An diesem nehmen jedes Jahr ca. 3000 Menschen teil.

Und natürlich beobachten wir, was in anderen Städten passiert. Wenn irgendwo unsere Solidarität gefragt ist, wollen wir diese einbringen, weil Dresden in den letzten Jahren unglaublich viel Solidarität im Kampf gegen Nazis und Rassist_innen entgegen gebracht wurde. Also organisieren wir Busse und mobilisieren Menschen, um mit uns quer durch die Republik zu fahren und anderen bei ihren Aktionen zu helfen.




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