Wer braucht Feminismus? - This is what Feminismus looks like

08
MÄR
2016
Wer braucht Feminismus?
© Maurice Weiss | OSTKREUZ

This is what Feminismus looks like

Jasmin Mittag kämpft für ein besseres Image des Feminismus - und braucht dafür ein dickes Fell.

Vielleicht war die Antwort auf die Frage, die Jasmin Mittag immer stellt, noch nie so klar, wie nach jenem Zwischenfall in Hannover. Im Neuen Rathaus, im Bürgersaal, hatte sie eine Ausstellung vorbereitet mit einem Stand, historischen Tafeln zum Thema Feminismus, Zetteln, die die Besucherinnen und Besucher ausfüllen konnten, und natürlich einer Fotoecke, in der man sich selbst mit seiner Antwort auf diese Frage fotografieren lassen kann. Wer braucht Feminismus?

Dann kamen Anhänger des Rechten Forums vorbei und verwüsteten die Ausstellung. Getarnt mit Sturmmasken nahmen sie die Statements ab und ersetzten sie durch ihre eigenen. Machten Selfies davon und posteten das in den sozialen Medien. Ihre Antwort auf die Frage „Wer braucht Feminismus“: Niemand! Geh heim an den Herd.

„Die wollten die Kampagne ins Lächerliche ziehen“, sagt Jasmin Mittag im Kulturzentrum in der Hannoveraner Innenstadt. Direkt gegenüber befindet sich eine kleine Zeltstadt mit Flüchtlingen, hinter einem Stück der Berliner Mauer, das hier zum Gedenken aufgestellt wurde.

Jasmin trägt kurze blonde Haare und ein weißes T-Shirt, auf dem in pinker Neon-Schrift steht: This is what Feminism looks like. In diesem Kulturzentrum hält sie öfter Vorträge, und das Erste, was sie dann immer machen muss, ist Vorurteilen zu begegnen. „Wenn ich die Leute frage, was sie mit dem Thema assoziieren, dann kommt meistens: lila Latzhose, Alice Schwarzer, radikal.“ Sehr schwammig also, und genau das will sie mit ihrer Kampagne ändern. Die Leute mobilisieren, nennt sie das, sie aufklären, über einen Bereich, der für Jasmin ebenso wie die Arbeiterbewegung ein sozialer ist.

Ein Mann und eine Frau halten jeweils ein beschriftetes Bild vor der Brust
© Maurice Weiss | OSTKREUZ

Die Kampagne begann als Aktion an einer Universität in den USA, bevor Jasmin Mittag sie ins Deutsche übertrug. Menschen aus der ganzen Republik schicken ihr nun Fotos, um diese in den sozialen Medien zu teilen.

„Ich will die Definition von Feminismus in die Welt tragen“, sagt Jasmin, die neben ihrem Engagement als Projektmanagerin arbeitet. Genau hier kommen die Fotos und die Statements ins Spiel, die sie aus allen Ecken der Republik erreichen. Ein paar Beispiele: „Ich brauche Feminismus, weil Gleichberechtigung im Kopf jedes einzelnen Menschen beginnt und nicht mit Gesetzen oder der Politik“;

„Ich brauche Feminismus, weil ich mehr Frauen in Politik, Wirtschaft und Sport sehen will!“

„Ich brauche Feminismus, weil er die ultimative Waffe ist, um den ganzen Mist zu durchschauen: Wir sind völlig in Ordnung, so wie wir sind - auch wenn die Gesellschaft uns etwas anderes einredet“; „Ich brauche Feminismus, weil ich mehr Frauen in Politik, Wirtschaft und im Sport sehen will!“; „Ich brauche Feminismus, weil ich Hotpants tragen können möchte, ohne mir dabei blöde Kommentare oder ‚Komplimente‛ anhören zu müssen. Kleidung ist der persönliche Stil eines jeden Menschen und keine Angriffsfläche für sexistische Bemerkungen der Mitmenschen.“

So wird es konkret, und der Begriff kommt weg von den nebligen Assoziationen. Dabei ist Facebook der wichtigste Rückkopplungskanal, hier laufen die Antworten der Menschen ein, hier findet die Diskussion statt, allerdings nicht immer sehr sittlich. „Ja“, sagt Jasmin, „hier muss ich viel moderieren.“ Sie lacht, auch wenn es oft nicht lustig ist, denn auch über Facebook erreicht sie einiges an Hassmails und Klischees, was die Geschlechter angeht. „Aber ich bin eine aggressive Feministin“, sagt sie. Die hält das aus und macht weiter, um ihre Vision zu verwirklichen.

Die Wanderausstellung soll am Ende in 20 Städten gewesen sein, dazu plant sie eine groß angelegte Posterkampagne mit Prominenten. Obwohl sie sehr aktiv auch auf Instagram, Pinterest und Tumblr ist, soll die Kampagne immer verknüpft sein mit einer Präsenz, also mit Vorträgen, Ausstellungen, Frühstücken und Fototerminen. Auch ein Videokanal auf YouTube ist geplant, wie bei den amerikanischen Kollegen.

Die Antwort auf die Frage, wer Feminismus braucht, muss also heißen: wir alle!

Ein Artikel von Fredy Gareis

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