Junge Helden e. V. - Entscheidend ist die Entscheidung

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MÄR
2016
Junge Helden e. V.
© Maurice Weiss | OSTKREUZ

Entscheidend ist die Entscheidung

Wer denkt in jungen Jahren schon an das Thema Organspende? Kaum jemand. Deshalb arbeiten die Jungen Helden dafür, dass bei diesem sehr persönlichen Thema jeder eine aufgeklärte Entscheidung treffen kann.

Aus dem Fenster des Büros der Jungen Helden in der Schönhauser Allee in Berlin blicken Ina Brunk und Nicolas Höfer auf das Lokal Due Forni, einen Italiener, der immer rappelvoll ist. Der Geruch von Pizza und Pasta dringt herein, unter Kastanien lachen die jungen Leute, es ist ein leichter Tag, aber hier oben haben Ina, 32, und Nicolas, 36, den schweren Job, die Jugend über das Thema Organspende aufzuklären.

Aber warum überhaupt dieser Name: Junge Helden? „Das hören wir oft“, sagt Nicolas, der aus der Werbebranche kommt und hier im Vorstand und für alles Grafische zuständig ist. „Dabei nennen wir uns nicht selbst so, sondern der Titel ist für all jene reserviert, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, ihren Willen zeigen und den Angehörigen davon erzählen.“ Damit das immer mehr werden, sitzen Ina und Nico vor ihren Rechnern und investieren ihre Freizeit in die Kampagne, beantworten E-Mails von Schulen, die sie einladen wollen, vernetzen sich mit anderen Initiativen, geben Videos in Auftrag, kommunizieren mit dem Büro in München und arbeiten an der Regionalisierung der Gruppen, weil es mittlerweile Anfragen aus der ganzen Republik gibt.

Im Büro herrscht ein sympathisches Chaos aus Kisten mit Flyern, Organspendeausweisen und T-Shirts. Im Regal steht neben einer Reihe von Auszeichnungen auch das Buch „Gute Nacht, bis Morgen“ von Claudia Kotter. Ihr Tod 2011 war ein schwerer Einschnitt, trotzdem musste die Arbeit weitergehen. „Wir kennen ja ihre Vision“, sagt Nicolas. „Wir fragen uns aber trotzdem bei jeder Entscheidung: Hätte sie es auch so gemacht?“ Die Verbreitung über die sozialen Medien hätte sie auf jeden Fall befürwortet, schließlich ist das Ziel, so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Ina ruft die Facebook-Seite auf, auf der sie fast 10.000 Fans haben. „Das ist unser Hauptkanal“, sagt sie. Weil es zu dem Thema Organspende eben viele Infos braucht, da langt es nicht, eben mal ein Foto zu posten, so könne sich niemand eine Meinung bilden. Außerdem wird hier ordentlich diskutiert, und die Inhalte sind oft aktueller als auf der eigenen Website. „Für mich ist ein persönlicher Erfolg“, sagt Ina, „wenn sich Leute, die bei uns auf der Platform sind, selbst engagieren.“

Gruppenfoto mit den Jungen Helden
© Oliver Rath Photografie & Aedt

Schweres Thema leicht verpackt. Viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer arbeiten mit an der Vision der verstorbenen Claudia Kotter.

„Die Leute sind im Netz viel ehrlicher. Und das hier ist ein sehr persönliches Thema.“

Aber es gibt nicht nur positive Resonanz: „Die Leute sind im Netz viel ehrlicher“, sagt Ina. „Und das hier ist ein sehr persönliches Thema.“ Ein persönliches, ein schwieriges Thema. Um junge Menschen damit zu erreichen, gehen sie an die Schulen und halten Vorträge. Alle zwei Jahre organisieren sie eine Party im Spindler & Klatt in Kreuzberg, wo Promis wie Jürgen Vogel und Benno Fürmann die Tür machen, Joko und Klaas die Kasse. Und die Beatsteaks am Mischpult die Tanzfläche zum Kochen bringen. Fans, Unterstützerinnen, Unterstützer und Neugierige feiern die ganze Nacht - das ist Aufklärung durch die Hintertür, die sich widerspiegelt in Bindung und Vernetzung mit der Kampagne.

Aber auch wenn die Reichweite heute eine ganz andere ist, wenn Frank-Walter Steinmeier zu dem Thema vor dem Bundestag redet und die Jungen Helden erwähnt; sich die Inhalte leichter und schneller verbreiten lassen: Es liegt noch viel Arbeit vor den Jungen Helden.

Im Juni veröffentlichten sie ihren Aufklärungsfilm. „Auf YouTube“, sagt Nicolas, „haben den Film 12.000 Leute gesehen.“ Im September kommt er als Bildungspaket an die Schulen. „Aber unser Ziel muss sein, dass ihn halb Deutschland sieht. Damit jeder eine aufgeklärte Entscheidung zu diesem Thema treffen kann. Darum geht es.“

Ein Artikel von Fredy Gareis

junge-helden.org
facebook.com/JungeHelden