Senioren Lernen Online - mit Skype und Hangouts

01
MÄR
2016
Senioren Lernen Online
© Maurice Weiss | OSTKREUZ

Wer skypen kann, kann auch an der Welt teilnehmen

Uta Krope, Barbara Leisner und Horst Sievert vermitteln Wissen an Senioren über digitale Kanäle und steigern die Internetkompetenzen ihrer Altersgenossen.

„Also, wenn ich eines nicht mehr hören kann“, sagt die 74-jährige Uta Krope, „ist es: Die Oma kapiert das doch eh nicht, die ist zu alt für den Kram.“ Von wegen: Gemeinsam mit ihrem Kollegen Horst Sievert und ihrer Kollegin Barbara Leisner erklärt sie ihre Beweggründe und ihre Arbeit für Senioren Lernen Online in einem Google Hangout. Krope und Sievert wohnen in Kiel, Barbara Leisner ist aus Hamburg zugeschaltet.

Die Idee, Seniorinnen und Senioren dabei zu unterstützen, selbstständig online zu lernen, entstand bereits 2004. Damals benutzte man noch virtuelle Klassenzimmer für das Vorhaben. „Was die Technik seitdem für einen gigantischen Sprung gemacht hat“, sagt Host Sievert, 76, „ist nahezu unglaublich.“ Flüssige Videokonferenzen, Internettelefonie, flächendeckende Breitbandverbindungen - alles hier. Sievert, Krope und Leisner nutzen alles, um ihre Altersgenossen an die Welt da draußen anzuschließen.

Das ist Teilnahme an der Welt, und gerade für diejenigen, die nicht mehr mobile sind, enorm wichtig.

Mit SLO können Seniorinnen und Senioren zu festen Zeiten an diversen Workshops und Stammtischen teilnehmen. Alles läuft über das Netz, zur Auswahl stehen beispielsweise Englisch Online, Wie geht das? oder das Kunstsurfen mit Barbara Leisner. Sie ist Kunst- und Kulturhistorikerin, und schickt jedes Mal eine Auswahl von Links zu Bildern an die Teilnehmer. „Gemeinsam schauen wir diese dann online an und besprechen sie.“ Das ist Teilnahme an der Welt, und gerade für diejenigen, die nicht mehr so mobil sind, enorm wichtig. „Wenn wir zum Beispiel jemanden haben, der bettlägerig ist“, sagt Sievert, „dann können wir dem Pfleger erklären, wie er die Verbindung einzurichten hat.“

Senioren skypen miteinander
© Maurice Weiss | OSTKREUZ

Wer Skype beherrscht, kann auch an der Welt da draußen teilnehmen. Die Leute von SLO bringen Seniorinnen und Senioren ins Netz und wenn sie eines nicht hören können, dann ist es der Vorwurf, dass sie zu alt für neuen technischen Kram sind.

„Was wir wollen, ist, dass die Leute zu Hause selbstständig weiter lernen.“

Etwa 300 bis 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat die Truppe im Jahr. Dabei sei aber nicht die Menge entscheidend, sagt Sievert, vielmehr gehe es um den Einzelnen. „Was wir wollen, ist, dass die Leute zu Hause selbstständig weiter lernen. In diesem Sinne unterscheiden wir uns zum Beispiel stark vom Konzept der Volkshochschule.“

Sievert, in dessen Hangout-Ausschnitt im Hintergrund eine Angry-Birds-Puppe zu sehen ist, hat viel von seinen vier Söhnen gelernt. „Heute ist es allerdings eher andersrum“, sagt er und lacht in die Kamera. Seinen ersten Computer hat er 1987 erstanden. Da hat Uta Krope noch mehr Erfahrung: Sie hat bereits 1961 in Kiel als Programmiererin gearbeitet. „Damals arbeiteten wir noch mit Lochkarten“, erzählt sie von einer Zeit, die sich ihre Enkel heute nicht mehr vorstellen können. Diese geballte Erfahrung verbreiten sie auch in Foren und Blogs und in ihrer Facebook-Gruppe. „Die funktioniert auch wunderbar ohne Moderation“, sagt Barbara Leisner, „und die Leute finden ihre eigenen Themen, über die sie diskutieren möchten.“ Als Beispiel wären da Apps zu nennen, die Seniorinnen und Senioren das Leben erleichtern. Neulich wurde auf Facebook b-cared vorgestellt, eine zeitgemäße, mobile Notruflösung. „Was da in Zukunft in diesem Bereich passieren wird“, sagt Uta Krope, „ist für uns und unsere Teilnehmer eine gewaltige Neuerung und sicherlich auch Erleichterung.“ Da geht es um das Smart Home und das Internet der Dinge, es geht um Innovationen, die Medikamente besser einstellen können oder die Gesundheit überwachen.

Die drei sehen der digitalen Zukunft und dem technischen Fortschritt optimistisch entgegen. Horst Sievert hält sein Handgelenk in die Kamera, er trägt ein Fitbit und ist ständig mit dem Internet verbunden. Dann richtet er das Wort an Uta Krope: „Uta, was würdest du von einem Roboter halten, der dir ein Glas warme Milch serviert?“ „Oh, das wäre ganz wundervoll“, antwortet sie. Und bis es so weit ist, werden sie weiter daran arbeiten, Seniorinnen und Senioren zu befähigen, mit dem umzugehen, was gerade die Welt umwälzt.

Ein Artikel von Fredy Gareis

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