Stinknormale Superhelden - Allzeit spendenbereit

09
FEB
2016
Stinknormale Superhelden
© Maurice Weiss | OSTKREUZ

Diese Aktivistinnen und Aktivisten retten kostümiert die Welt.

Anpacken statt schnacken - Die Stinknormalen Superhelden hatten keine Lust mehr zu meckern, sondern wollten etwas tun. Das Wichtigste dabei: Es muss Spaß machen.

Eigentlich arbeitet Norman Stoffregen in einer Casting-Agentur in Berlin, aber wenn er in sein etwas schrulliges Superheldenkostüm schlüpft, verwandelt er sich in Katetschen Bernd. Seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter werden zu Optimus Schnitzel, Puppi Le Bleu und Miss Tackle, deren Erkennungszeichen eine Fellmütze ist. Gemeinsam sind sie die Stinknormalen Superhelden und helfen da, wo sie gebraucht werden. So, wie das Superhelden halt nun mal tun.

Heute helfen sie auf dem Trödelmarkt in der havelländischen Kreisstadt Rathenow. Hier haben die Superhelden ihren Ursprung, doch mittlerweile sind sie über die ganze Republik verteilt (und darüber hinaus - die Superhelden haben auch schon mal einen Strand in Irland aufgeräumt). Nun stehen sie hinter einem Stand und verkaufen Spielzeug, Geschirr, DVDs. Noch bevor es losging, kamen ein paar ältere Damen und haben ihnen Sachspenden überreicht, der Rest ist eigener Kram. Der Erlös kommt der „Kinderstadt“ zugute, und natürlich lieben die Kinder die Superhelden in ihren Kostümen.

Müll in der Natur. Drei stinknormale Superhelden gucken in die Kamera
© Maurice Weiss | OSTKREUZ

Die Superhelden räumen auf, bringen Spielplätze auf Vordermann, sammeln Geld für Kinder, und ganz wichtig: Für Püppi Le Bleu, Miss Tackle und Katetschen Bernd muss Spaß bei der Sache sein, sonst erreicht man niemanden.

„Wir haben uns überlegt“, sagt Katetschen Bernd, „wie erreicht man eine größtmögliche Aufmerksamkeit bei Jung und Alt, ohne dabei mit der Moralkeule‘ zu schwingen? Genau, man unterhält sie auf spaßige Art und Weise.“ Also sind sie in die Kostüme geschlüpft, haben sich Superheldennamen verpasst und präsentieren seit mittlerweile vier Jahren die Aktionen unter anderem im Internet auf ihrer Facebook-Seite, wo sie ihre Fans mit der Unterhaltungskeule zu guten Taten anregen. Das mit der Aufmerksamkeit klappt zumindest. Wenn die Superhelden Spielplätze aufräumen, den Wald von Müll befreien oder einen Garten anlegen, dann machen nicht nur Kinder und ihre Eltern mit, sondern dann ist vor allem auch die lokale Presse vor Ort. „Das wäre ohne die Kostüme sicherlich anders“, sagt Katetschen Bernd, der, wie es sich für einen Superhelden gehört, sein Alter nicht verraten will.

„Es muss einfach Spaß machen. Sonst erreichst du doch niemanden mehr.“

Global denken, lokal handeln. Dieser bereits etwas abgenutzte Spruch wird von den Superhelden mit Liebe umgesetzt. „Es muss einfach Spaß machen“, sagt Katetschen Bernd. „Sonst erreichst du doch niemanden mehr, sonst drehen sich die Leute einfach weg.“

So aber passiert genau das Gegenteil. Die Leute wenden sich den Superhelden zu, wollen sie mit Spenden unterstützen oder selbst aktiv werden. „Jeder“, sagt Katetschen Bernd, „wirklich jeder kann ein stinknormaler Superheld sein. Deswegen auch der Name. Du musst nicht weit springen oder schnell laufen können - du musst einfach nur etwas bewegen wollen.“

Und bewegen wollen die Superhelden einiges. Geplant ist ein stinknormales Fußballturnier, das die Zusammengehörigkeit der Jugend in Rathenow fördern und hier lebende Asylbewerber integrieren möchte. Dies ist in den Augen von Katetschen Bernd als stinknormale Veranstaltung zu sehen, aber aufgrund der vorherrschenden Intoleranz und Skepsis Ausländerinnen und Ausländern gegenüber mehr als notwendig.

Außerdem in Planung: eine stinknormale Superheldenparty, die die teilnehmenden kostümierten Gäste dazu bewegen will, sich für die Stammzellenund Knochenmarkspende (bei der DKMS) zu registrieren. Stinknormale Superhelden retten Leben, werden während der Party mit gesundem Essen verköstigt, es gibt gute Livemusik und - nicht unerheblich - sie spenden ihren Einritt und die Einnahmen der Tombola automatisch der Kinderkrebshilfe.

Der Tag geht langsam in den Abend über, und der Trödelmarkt endet. Das Kinderlachen wird nach und nach leiser, und auf den Gesichtern der Superhelden liegt ein Lächeln. Wieder mal für eine gute Sache gekämpft. Damit das auch in Zukunft so bleibt, gibt es nun eine Superheldenschule für Kinder - damit der Superheldennachwuchs gesichert bleibt. Denn wer würde sonst diesen Planeten retten?

Ein Artikel von Fredy Gareis

facebook.com/StinknormaleSuperhelden